Drei Mal wurde Martin Felhofer zum Abt des Stiftes Schlägl gewählt. Schon in der achten Periode steht er den Männerorden in Oberösterreich vor. Im August feiert er sein 25-Jahr-Jubiläum als Abt.
„Es ist dir aufgegeben, mehr vorzusehen als vorzustehen.“ Diesen Auftrag gab der damalige Linzer Bischof Maximilian Aichern Martin Felhofer mit, als er ihn am 15. August 1989 zum Abt des Prämonstratenser-Chorherrenstiftes Schlägl weihte. 25 Jahre danach, am 15. August 2014, 15 Uhr, wird Bischof Aichern erneut beim Jubiläumsgottesdienst in der Kirche Aigen die Predigt halten.
Dem Leben trauen
„Qui credit, vivit“ – „Wer glaubt, lebt“, hat Martin Felhofer als Wahlspruch gewählt. In seinen 25 Abtjahren sieht er ihn mit Lebenserfahrung gedeckt: „Wer mit dem Herzen sieht und die Menschen gern hat, wird auch selber leben.“ In einem bekannten Wort des 1945 von den Nazis hingerichteten Alfred Delp findet er sich ebenso wieder: „Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt.“ Im geistigen Freundeskreis des Schlägler Abtes befinden sich Persönlichkeiten wie Helmut Krätzl, der Kärntner Bischof Alois Schwarz und die die Linzer Bischöfe Maximilian Aichern – wegen seiner Offenheit – und Ludwig Schwarz – wegen seiner Menschenliebe. Zunehmend sind es auch Verstorbene: Martin Gutl zum Beispiel, Florian Kuntner und Reinhold Stecher. Pastorale Offenheit ist für Martin Felhofer ein Gebot der Stunde. Bereits 1992 wurde das Seminarzentrum Stift Schlägl eröffnet. Für die Gäste, die dorthin kommen, nimmt sich der Abt Zeit – wenigstens für ein abendliches Gespräch, vielleicht auch für eine Wanderung im Böhmerwald. Ob es Leute aus der Wirtschaft sind oder Polizisten: Sie schätzen das Mitleben im Kloster. „Dass Leute im Arbeitsstress zu einem Rhythmus in ihrem Leben kommen“ – dazu kann eine Klostererfahrung verhelfen. Das ist der Sinn des Sonntags.
Christ/innen auf Pilgerschaft
Christinnen und Christen verstehen ihr Verhältnis zur Kirche heute zunehmend wie Pilgerinnen und Pilger. „Punktuell sind sie mit der Kirche in Kontakt.“ Für sie will das Stift Gastfreundschaft bieten. Zugleich braucht es jene, die die Seelsorge in den Pfarren durch ihr beständiges Mitarbeiten gestalten. 15 Mitbrüder hat Abt Felhofer in seiner bisherigen Amtszeit zu Grabe begleiten müssen. 15 Einkleidungen hat es gegeben. Vier von diesen sind Weltpriester geworden, zwei davon in anderen Diözesen, nur zwei sind weggegangen, aber trotzdem aktiv in der Seelsorge. „Da rühme ich mich nicht, wir sind eine gute Gemeinschaft“, meint Felhofer. Dass die Zahl der Mitbrüder auch in Schlägl geringer werden wird, zeichnet sich ab. Als Vorsteher eines Seelsorge-Ordens will Felhofer darauf achten, dass die Ordenspriester nicht ausbrennen. Die Gemeinschaft mit dem gemeinsamen Chorgebet ist ihm sehr wichtig. Das gilt es zu beachten, wenn zusammen mit de der Diözese Linz die Seelsorgesituation im Oberen Mühlviertel geplant werden soll. Es wird ein Modell des Miteinanders sein, auch mit Pastoralassistent/innen, bei dem die Pfarren selbst Seelsorge mittragen. Felhofer hat keine Scheu, von der Kirchenleitung Veränderungen zu wünschen. Das Diakonat für Frauen zum Beispiel – oder dass keine leichtfertigen, aber pastorale Lösungen für wiederverheiratete Geschiedene gefunden werden.
Für Mühlkreisbahn
Im Jahr der Abtweihe 1989 fiel auch der Eiserne Vorhang. Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Böhmerwaldregion ist dem Abt ein großes Anliegen. „Deshalb kämpfe ich für die Mühlkreisbahn.“ Drei Mal wurde Felhofer für je zehn Jahre zum Abt gewählt. Mit 70 wird er 2017 den Rücktritt anbieten – und vielleicht bis 2019, wenn die Periode ausläuft – noch bleiben. Bereits acht Mal wurde er zum Vorsitzenden der Männerorden in Oberösterreich gewählt. Er ist auch geistlicher Begleiter der Katholischen Frauenbewegung Österreichs.
Das Stab des Abtes
Zu seinem 10-Jahres-Jubiläum als Abt hat Martin Felhofer von den Mitbrüdern einen persönlichen Abtstab erhalten. Josef Märzinger hat ihn aus dem Holz einer Ulme gefertigt, die 300 Jahre lang an der Stiftsmauer stand und ihr Halt gab. Abt Felhofer sieht die drei Schritte des Abtseins im Stab versinnbildlicht: Das Kreuz steht für den Blick auf Christus. In das Kreuz eingearbeitet: das Wappen des Abtes mit dem geteilten Mantel des hl. Martin. Es sagt: „Ich bin persönlich als der Mensch Martin gerufen.“ Die Krümmung steht für die Gemeinschaft: „Zusammenhalten, zusammenführen, Gemeinschaft bilden – das sind die Aufgaben des Abtes.“ Zum Jubiläumsgottesdienst am Fr., 15. August, 15 Uhr in der Pfarrkirche Aigen ist die Bevölkerung besonders der Stiftspfarren herzlich eingeladen.