Der „Gefangene Nr. 70“ im KZ Mauthausen, Jozef Cebula, wird am 13. Juni seliggesprochen. Weil der Priester einer Frau die Krankensalbung gespendet hatte, wurde er fünf Wochen später in den Tod getrieben.
Es war der 9. Mai 1941. Gegen neun Uhr morgens hatte der SS-Oberscharführer Spatz den Befehl zum Spiel gegeben, das für Jozef Cebula tödlich enden sollte. Seit drei Wochen war der 39jährige Priester im Lager ob der Donau. In seiner Heimat hatten die Mitbrüder der Ordensgemeinschaft der Oblaten (OMI) große Hoffnungen in ihn gesetzt. Der körperlich nicht sonderlich starke Mann war jedoch in der kurzen Zeit so sehr geschwächt, daß er selbst bei der Arbeit im Steinbruch nicht mehr die Kraft aufbrachte, den Vorschlaghammer zu heben und die Felsbrocken zu zertrümmern. Zur Strafe wurde er immer wieder geschlagen. Ein Augenzeuge berichtete: „Je mehr er arbeitete, umso mehr wurde er geschlagen. Er war eben ganz einfach schon zum Tod verurteilt. An seinem Körper gab es keine Stelle mehr, die nicht blau gewesen wäre.“
Gott wird euch richten!
Bereits am 18. April, dem Tag seiner Ankunft im KZ, war Cebula von zwei SS-Schergen über eine Stunde lang brutalst geschlagen worden. Eine Prozedur, die sich in den drei Lagerwochen mehrfach wiederholen sollte. Und während er verspottet wurde, war er gezwungen, Kirchenlieder zu singen; dabei behielt er seine Fassung und Würde. Doch am 9. Mai kam es anders. Cebula erhob seine Stimme und schrie seine Peiniger an: „Ihr seid es nicht, die hier befehlen. Gott wird euch richten!“ Darufhin wurde der Priester gezwungen, auf den Todesstreifen zuzulaufen, der das Lager umgab. Doch kurz vor Erreichen des elektrischen Zaunes kam der Befehl umzukehren. So lief Pater Cebula mehrere Male hin und her, bis der Befehl „Zurück!“ ausblieb – und von den Wachtürmen das Maschinengewehrfeuer eröffnet wurde. Von acht Kugeln getroffen war er sofort tot. Rund 8000 Geistliche, Seminaristen und Ordensleute aus Polen wurden während der NS-Diktatur in Konzentrationslager deportiert. 35 waren es aus der Ordensgemeinschaft der Oblaten, von denen 15 in Konzentrationslagern getötet wurden. Neben dem seligen Jozef Cebula in Mauthausen, waren es vier seiner einstigen Novizen, die im KZ-Außenlager Gusen ermordet wurden.