Umstrittene Kreuze vor dem ehem. Vernichtungslager Auschwitz
Ausgabe: 1999/22, Kreuzstreit, Auschwitz, Switon
01.06.1999
- Walter Achleitner
Die umstrittenen Kreuze vor dem ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz sind im Einverständnis mit der Kirche von der polnischen Polizei in der Nacht auf Freitag vergangener Woche entfernt, und in das Franziskanerkloster der Stadt gebracht worden. Nur das acht Meter hohe Papst-kreuz auf dem Kiesplatz vor dem KZ blieb stehen. Noch am Dienstag hatte die Regierung an die Kreuzaufsteller appelliert, diese selbst zu entfernen. Die rund 300 Kreuze waren seit vergangenem Sommer auf Betreiben von national-katholischen Kreisen aufgestellt worden. Ihr Anführer, der Politiker Kazimierz Switon, war am Donnerstag von der Polizei wegen illegalen Sprengstoffbesitzes festgenommen worden. Zuvor hatte er angedroht, mit einer Explosion den Abriß der Holzkapelle zu verhindern, die er vor drei Wochen vor dem ehemaligen KZ errichtet hatte. Am Mittwoch hatte die Stadtverwaltung den Abriß der Kapelle angeordnet. Seit elf Monaten lebt Switon in einem Wohnwagen vor dem Lager. Der umstrittene Politiker, der auch in der Traditionalistenbewegung des exkommunizierten Erzbischofs Lefebvre Unterstützung findet, muß sich derzeit vor dem Regionalgericht Auschwitz wegen Aufrufs zum Rassenhaß verantworten. Switon und seine Anhänger hatten mehrfach antisemitischen Flugblätter verteilt.