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Der Papa und der Papsch

Zum Tag des Lebens: Böse Stiefeltern gibt es fast nur im Märchen
Ausgabe: 1999/22, Papa, Papsch, Stiefeltern
01.06.1999
- Maria Haunschmidt
Ich habe einen Papsch und einen Papa, und beide habe ich gleich lieb – Aussage eines Kindes aus einer Stieffamilie.

In einer anderen Familie fahren alle Personen aus der erweiterten Familienbeziehung mit- einander auf Urlaub. Beziehungs-Arrangements klappen, und der „Alltags“- und der „Sonntagsvater“ werden nicht gegeneinander ausgespielt. Solch gut gelungene Modelle sind allerdings die Ausnahme, denn die Mehrzahl der Kinder in Stief- , Zweit- oder Fortsetzungsfamilien erleben ihre Situation als schwierig.
Um „Chancen und Grenzen dieser Familien“ ging es bei einer Aktion-Leben-Veranstaltung zum Tag des Lebens in Linz, bei der Univ.-Prof. Dr. Liselotte Wilk referierte. Es gibt in unserer Gesellschaft keine Modelle für Stieffamilien, sie sind weder gesellschaftlich definiert noch rechtlich abgesichert, und sie haben mit Vorurteilen zu kämpfen. Dr. Wilk kritisierte die weitverbreitete Fixierung auf das Ideal der Kernfamilie, die in der Gesellschaft und besonders in der Kirche tief verwurzelt ist, und damit die Stieffamilie diskriminiert.

Probleme und Chancen

Das erschwert die ohnehin schwierigen Ausgangspositionen, die Stieffamilien haben, was Neuordnung, Rollenverteilung, gegenseitige Anerkennung und Abstützung im sozialen Netz der „alten“ und neuen Verwandten, usw. betrifft. Zu den vielfältigen erweiterten Familienformen gehören mit Eltern- , Großelternteilen und Stief- und Halbgeschwistern möglicherweise viele Personen. „Es gibt bei allen Problemen auch große Chancen!“ strich Univ. Prof. Dr. Liselotte Wilk unter Berufung auf eine Studie, bei der 3000 österreichische Kinder aus Stieffamilien befragt wurden, die positiven Aspekte heraus.
Die Studie zeigt, daß es möglich ist, die Probleme zu bewältigen, z. B. Beziehungs-Arrangements zu treffen und Abmachungen auszuhandeln. Am besten funktioniert Stieffamilie dann, wenn das Wohl und das Interesse der Kinder im Vordergrund stehen. Am schlechtesten geht es Kindern, wenn sie in die Mühlen der nicht aufgearbeiteten Konflikte der Großen kommen. Wilk sprach hier von den „Rechten des Kindes“, die es vehement einzufordern gilt, und von der in anderem Zusammenhang oft zitierten so wichtigen „verantworteten Elternschaft“.
Zu den Chancen gehören die erweiterten Beziehungen. Kinder sollen alle mögen und schätzen dürfen und Vorteile daraus ziehen. Z. B.: Der Vater ist Computer- Freak, der neue Vater backt gut Kuchen, usw. Ein interessantes Phänomen: Es ist erwiesen, daß Großeltern umso wichtiger werden, je weniger sich Kinder in Streitfamilien zurechtfinden.


Betroffene


– 20 Prozent der österreichischen Kinder sind heute bis zu ihrer Großjährigkeit von der Scheidung ihrer Eltern betroffen. 1970 waren es nur etwa halb so viele.

– Vorsichtigen Schätzungen zufolge leben sechs bis acht Prozent der Kinder in Stief-, Zweit- oder Fortsetzungsfamilien.

– Jeder zehnte Partner mit Kindern lebt in einer Fortsetzungsfamilie.
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