Ausgabe: 1999/23, Spatenstich, Donautal, Pamingerhof, St. Ägidi
08.06.1999
- Matthäus Fellinger
Sie kochen selbst, sie betreiben eine Landwirtschaft. Bänke und Stühle haben sie selbst gefertigt. Am Samstag, 5. Juni wurde in St. Ägidi der Pamingerhof eröffnet. Ein richtungweisendes Projekt für Menschen mit psychischen Einschränkungen.
Die Zeiten haben sich geändert. Gleich mehrere Gemeinden wollten das Wohnprojekt für Menschen mit psychischen Einschränkungen in ihrer Gemeinde haben. Die Wahl fiel auf den Pamingerhof in St. Ägidi. Hoch über dem Donautal liegt der Bauernhof. In den letzten 18 Monaten wurde das Haus zu einem Heim für sechs Frauen und zwölf Männer umgebaut. Die jetzigen Bewohner haben am Umbau selbst mitgearbeitet. Eine halbe Million, so Caritas-Direktor Prälat Josef Mayr, haben sie damit selbst erwirtschaftet. „Super!“ ist Martin Bugram von seinem neuen Arbeitsplatz begeistert. In der Tischlerei des Hofes kann er jetzt zeigen, was in ihm an Fähigkeiten steckt. Täglich kommt er von Engelhartszell herauf zur Arbeit. Die Tischlerei bietet den Bau von Saunas an, isoliert mit Schafwolle. Eine Schafzucht gehört auch zum Hof. Gudrun Strauß ist erst seit zwei Monaten am Hof. Mit Landwirtschaft hatte sie noch nie etwas zu tun. Jetzt kümmert sie sich um die Schafe. Auch sie findet das Leben am Hof einfach herrlich. Was sie bisher erlebten, seit sie letzten Sommer ins Bauprovisorium eingezogen sind, haben die Bewohner mit ihren Betreuern in einer „Pamingerhof-Hymne“ zum Ausdruck gebracht. Der Pamingerhof ist eine „Zweigstelle“ des im Stift Engelszell untergebrachten „St. Bernhard Wohn- und Betreuungszentrums“ der Caritas. Das Stift hatte die Anforderungen an eine moderne Einrichtung nicht mehr erfüllen können und ihr früheres Pflegeheim der Caritas übergeben.
St. Bernhard wird ausgebaut
Auch das jetzige Haus St. Bernhard hatte letzten Samstag einen Festtag. Die Spatenstichfeier für einen neuen Wohntrakt soll die letzte Ausbaustufe des modernen Sozialzentrums einleiten. Für das obere Donautal soll so ein gutes Angebot für Menschen geschaffen werden, die zu Hause niemanden haben, der sie pflegen könnte. Die Caritas und der Sozialhilfeverband des Bezirkes Schärding haben dieses moderne Zentrum als Gemeinschaftsprojekt 1997 eröffnet. 30 betagte oder pflegebedürftige Menschen aus der Region werden zusätzlich Platz bekommen. Und um mehr als nur um einen Platz geht es: Zentrumsleiter Johann Mair will im Haus zu sinnvoller Lebensgestaltung anregend. Die Bewohner sind in die notwendigen Arbeiten einbezogen. Bei der Eröffnungsfeier hat die Musikgruppe des Zentrums mitgewirkt. Für Landesrat Dr. Josef Ackerl geht es in der Sozialpolitik darum, Menschen ein Lebensfeld zu bieten, „in dem sie in ihrer eigenen Normalität das Ihre leisten können“. Zunehmend wirken dabei Einrichtungen zusammen. Wie in Engelhartszell mit der Caritas, will der Sozialhilfeverband Schärding auch in Zell an der Pram ein Zentrum zusammen mit Pro mente errichten.