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Caritas als Beistand für Drogendealer besudelt

FPÖ verunglimpft Ausländer und jene, die ihnen Schutz und Hilfe geben
Ausgabe: 1999/23, Drogen, Drogendealer, Caritas, Küberl
08.06.1999
- Hans Baumgartner
Die Caritas als Quartiergeber und Rechtsbeistand für afrikanische Drogendealer, die unsere Kinder gefährden. So verunglimpfen FPÖ-Politiker seit Tagen ihr liebstes „Feindbild“ in der Kirche.

Seit März attakieren FPÖ-Politiker und „Kronenzeitung“ die Caritas wegen ihrer anhaltenden Kritik an der österreichischen Asylpolitik. Die scharfen Reaktionen der Caritas-Direktoren Landau und Küberl auf den Tod des Schubhäftlings Marcus Omofuma und die Forderung, mehr Kriegsvertriebene aus dem Kosovo aufzunehmen, haben eine weitere Angriffswelle ausgelöst. FPÖ-Politiker warfen der Caritas vor, als „Beherbergungsbetrieb für afrikanische Drogendealer“ tätig zu sein und illegale Schwarzafrikaner, die „meistens Drogendealer“ seien, auch noch zu unterstützen.
„Die Caritas zahlt ihnen den Rechtsanwalt, wenn sie vor dem Richter stehen, und sie bezahlt ihnen auch noch die Unterkunft“, behauptete etwa die Abgeordnete Helene Partik-Pable. Die gelernte Richterin verdrehte damit bewußt die Wahrheit.

Munition für Anschütter

Es ist richtig, daß die Caritas Asylwerber rechtlich berät und unterstützt und Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf gibt, auch deshalb, weil der Staat seit Jahren seiner Verantwortung nicht mehr nachkommt. Falsch ist, daß die Caritas Leuten, die als Drogendealer überführt wurden, Rechtsbeistand leistet oder sie beherbergt. Im Gegenteil: Die Caritas bemüht sich, durch Kooperation mit der Exekutive und durch Hausordnungen mit klaren Verhaltensregeln die Kriminalität aus ihren Flüchtlingshäusern fernzuhalten. „Bei begründetem Verdacht wird die Polizei informiert und die betreffende Person aus dem Haus gewiesen“, sagt Günter Fleischmann von der Flüchtlingshilfe der Caritas Wien. Auch der angebliche Drogendealer, der bei der Großrazzia nach Pfingsten in einem Grazer Caritas-Haus festgenommen wurde, war bereits zwei Wochen vorher der Polizei gemeldet worden. „Man hätte ihn jederzeit festnehmen und überprüfen können, ohne den Riesenzirkus mit Straßensperren und Polizeigroßeinsatz“, kritisiert Caritas-Präsident Franz Küberl. „Damit wurde wieder Wasser auf die Mühlen jener geleitet, die uns seit geraumer Zeit mit ,Bösartigkeiten anschütten‘, wie es Bischof Kothgasser ausdrückte.“
Die Rechnung wurde auch prompt serviert. Der Wiener FPÖ-Obmann Hilmar Kabas bezeichnete die Caritas-Flüchtlingsheime als „Keimstätten illegalen Drogenhandels“ und meinte: „Wenn unter dem Deckmantel christlicher Nächstenliebe Drogenhändler gedeckt werden, so wird dies zur Gefahr für die ganze Bevölkerung.“ Garniert mit einer glatten Lüge, daß in einem Caritas-Haus Drogen sichergestellt wurden, forderte er die Abberufung von Landau und Küberl. Den Rücktritt von Minister Schlögl hat Kabas nicht verlangt, obgleich in einem Heim des Innenministeriums angeblich einer der Köpfe der Dealerbande verhaftet wurde.

Maulkorb für Kritiker

Die FPÖ führt derzeit vor allem in Ostösterreich einen Vorwahlkampf mit eindeutig rassistischen Parolen. Nachdem er offenbar einen Tip aus Polizeikreisen bekommen hatte, inserierte Hilmar Kabas einen Tag vor der Großrazzia: „Machtlos gegen 1000 Nigerianer. Dank absurder Gesetzeslage handeln sie als U-Boote fast unbehelligt mit Drogen . . .“ In vielen westeuropäischen Ländern würde ein derartiges Inserat, das pauschal Hunderte unbescholtene „Schwarzafrikaner“ ins kriminelle Eck stellt, als rassistische Diskriminierung strafrechtlich verfolgt. In Österreich fehlen dazu die entsprechenden Gesetze, wie erst kürzlich ein UNO-Bericht, den die Regierung unter Verschluß hält, massiv kritisierte.
Zu dieser Politik gehört auch, daß jene, die für die Schwächsten in unserem Land eintreten, mundtot gemacht werden sollen. Neben der Caritas wird daher zunehmend auch die evangelische Diakonie angegriffen. So hat erst kürzlich der evangelische burgenländische FPÖ-Nationalrat Leopold Schöggl Diakoniedirektor Chalupka beschuldigt, mit seiner „linksideologischen Ausländerpolitik“ die Kirche schwer zu schädigen.
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