Interview mit Univ.-Prof. Anton Pelinka, Politologe an der Uni Innsbruck
Ausgabe: 1999/23, Pelinka, Sündenbock
08.06.1999
- Hans Baumgartner
„Die Proteste über den Tod von Marcus Omofuma haben nicht nur Nachdenklichkeit über den Wert der Menschenrechte ausgelöst, sondern auch ziemlich schlimme Ausbrüche einer rassistisch gefärbten Fremdenfeindlichkeit“, sagt der Politologe Anton Pelinka im Gespräch mit der Kirchenzeitung. „Daß die FPÖ glaubt, damit Wahlkampf machen zu können, hat seine Gründe. Es gibt in Österreich ziemlich tiefsitzende Ängste und Vorurteile gegenüber Fremden. Besonders wirksam läßt sich diese latente Fremdenfeindlichkeit mobilisieren, wenn sie rassistisch eingefärbt wird: Afrikaner schauen eben immer anders aus, auch wenn sie seit 20 Jahre bei uns leben und arbeiten.“„Diese immer wieder ausbrechende Fremdenangst hat keinen realen Hintergrund“, meint Pelinka. „ Österreich zählt zu den zehn reichsten Ländern der Welt, ob da ein paar tausend Flüchtlinge mehr oder weniger da sind, spielt für unseren Wohlstand keine Rolle. Uns geht es besser denn je, und dennoch wächst bei immer mehr Menschen die Zukunftsangst. Das macht anfällig für Sündenböcke. Zur Zeit führt die FPÖ die ,Schwarzafrikaner‘ und die EU-Osterweiterung als Sündenböcke vor. Und die Regierungsparteien schweigen, aus Angst vor der Kronenzeitung.“ Pelinka wünscht sich daher, daß „die Kirchen, die keine Wahlen gewinnen müssen, viel deutlicher als bisher für Menschenrechte und Solidarität eintreten“.