Ausgabe: 1999/23, Stichwort, Albanien-Regelung, Albanien, Kosovo
08.06.1999
- Walter Achleitner
Kosovo-Flüchtlinge, die derzeit in Albanien sind und Angehörige in Österreich haben, sollen nun doch in Österreich aufgenommen werden. Dies hat Außenminister Wolfgang Schüssel im Anschluß an den Ministerrat am Dienstag vergangener Woche angekündigt. Nach der Kritik von Kardinal Schönborn und der Caritas am Vorgehen der Bundesregierung hatte der Außenminister eine Initiative ergriffen, um dem „Mix aus Bürokratie und mangelndem politischen Willen“, wie es der Wiener Caritas-Direktor Landau bezeichnet hatte, zu entgegnen. Zu den 5000 Flüchtlingen aus Mazedonien sollen nun auch bis 31. 12. 1999 jene aus Albanien Aufnahme finden, die einen Österreichbezug aufweisen. Es geht um einen eng umschriebenen Personenkreis: minderjährige Kinder und Ehegatten. Auch für das Problem der bei der Flucht abgenommenen Reisedokumente wurde eine Lösung gefunden. Wer das Kriterium der Familienzusammenführung erfüllt, wird in Tirana ein Ersatzdokument erhalten, hieß es im Außenamt. Unklar ist noch, wieviele der bisher 2500 Vorgemerkten kommen werden, denn nun müßten die Verwandtschaftsbeziehungen geklärt werden. Und bis Redaktionsschluß gab es noch keine Auskunft darüber, ob eigene Flüge aus Albanien organisiert werden. Caritas-Präsident Küberl bezeichnete die neue „Albanien-Regelung“ als „ein wichtiges Zeichen der Menschlichkeit“. Doch auch hier ist mit neuen Härten zu rechnen. Denn Mütter und Väter von bereits in Österreich lebenden Kosovo-Albanern erhalten keine Chance auf Familienzusammenführung.