Pfarrchronik als Hauptquelle – Erster Weltkrieg und Zwischenkriegszeit
Ausgabe: 1999/23, Molln
08.06.1999
- Isabella Ömer
In mühevoller Kleinarbeit ackerten engagierte Mollner mehrere Chroniken durch. Das Ergebnis wird jetzt in einer Ausstellung präsentiert.
„Wir waren gerade in Loibl’s Gasthaus bei einem Bürgertag, als der Bote von Kirchdorf mit der Verfügung auf der Gemeindekanzlei eintraf. Die Bestürzung und doch wieder die Begeisterung waren unbeschreiblich.“ Bald danach sollten die ersten Männer auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges fallen. Ob Pfarrer Josef Ablinger schon daran dachte, als er im Sommer 1914 diese Eintragung machte? Im „Museum im Dorf“ kann man aus den Pfarrchroniken von Molln und dem benachbarten Frauenstein lesen. Der HTL-Lehrer Dipl.-Ing. Adolf Staufer hat die Kurrentschrift entziffert und transkribiert. Die Schulleiter arbeiteten die Schulchroniken durch. Diese Quellen sind deshalb so wichtig, weil es keine Gemeindechronik gibt. Sie ging vermutlich 1945 verloren. Im „Museum im Dorf“ wird nun seit kurzem neben der Geschichte von Maultrommeln, Holzhandwerk und Metallverarbeitung auch die des Ersten Weltkriegs und der Zwischenkriegszeit präsentiert. Die Geschichte des Baus der Mollner Kirche wird auf den Wandtafeln genauso erzählt wie jene des Wildereraufstands und der ersten Wahlen. Fotos und Briefe von der Front spiegeln das Leid der Mollner Soldaten im Krieg wider. „Leider kommen die Einheimischen weniger zur Ausstellung als Touristen“, bedauert Adolf Staufer. Doch er und sein Team lassen sich nicht entmutigen: Sie planen Video-Interviews mit Zeitzeugen.