Bezaubernde Landschaften, deren zusätzlicher Reiz durch die Kleinstruktur unserer bäuerlichen Kultur möglich ist, prägen Österreich. Hat dieses Bild von Landwirtschaft noch Zukunft? Ein Gespräch mit Landwirtschaftskammerpräsident Mag. Hans Kletzmayr.
Wenn es um den Welthandel geht, ist oft auch die Landwirtschaft und der Handel mit Lebensmitteln im Blickpunkt. Am 30. November 1999 beginnt die nächste Verhandlungsrunde.
WTO heißt die Welthandelsorganisation, WTO-Milleniumsrunde nennt sich die Konferenz, zu deren Beginn am 30. November 1999 in Seattle mehr als 120 Länder ihre Regierungsvertreter entsenden. Österreich ist durch den Handelsminister vertreten. Die Minister werden den Verhandlungen, die wohl fünf Jahre dauern werden, die Richtung geben. Am Tisch sitzen die unterschiedlichsten Interessen, die unterschiedlichsten Staaten. Da sind einerseits die großen Agrarexporteure der Welt – die USA, Kanada, etliche Länder Südamerikas, Australien, Neuseeland –, da ist ganz wesentlich auch die EU, die alle EU-Länder gemeinsam vertritt, und da sind viele arme Länder des Südens.
Arbeit im Vorfeld
Der Präsident der oö. Landwirtschaftskammer, Mag. Hans Kletzmayr, vertritt im Europäischen Bauernverband COPA die Präsidentenkonferenz der österreichischen Landwirtschaftskammern. COPA hat vor und während der WTO-Verhandlungen viel Arbeit. Es gilt, dem europäischen Modell der Landwirtschaft – mit ökologischen Standards (z. B. Hormonverbot) und flächendeckender Bewirtschaftung – weltweit Anerkennung und damit Schutz zu gewähren. „Auch bei Importwaren muß der jeweilige Standard durchzusetzen sein“, sagt Kletzmayr.
Europäisches Modell
Wenn die EU für alle 15 Mitgliedsstaaten verhandelt, gilt es zunächst innerhalb der EU, Konsens herzustellen. Bei der Berliner Konferenz (Agenda 2000 Schlußempfehlung) kamen die Regierungschefs überein, daß das europäische Modell der Landwirtschaft EU-Grundlage bei den WTO-Verhandlungen ist. Kein leichter Interessens-Spagat ist da gefordert zwischen den nordwestlichen Ländern der EU und den übrigen, unter ihnen Deutschland, Österreich und die südlichen Länder. Denn Großbritannien, die Niederlande, Dänemark und Schweden als wesentlich exportorientiertere Landwirtschaften sind an einem möglichst freien Markt interessiert. Wer hingegegen bei kostenverursachenden Faktoren (Gelände, Klima . . .) Landwirtschaft betreiben muß, „kann sich nicht darauf verlassen, daß er es jenseits politischer Regelungen am Weltmarkt schafft“, sagt Kletzmayr.