Ausgabe: 1999/24, Europa, Tunnel, Tauerntunnel, Tauern, Politiker
15.06.1999
- Hans Baumgartner
Das Projekt Europa
Nur 50 Prozent der EU-Bürger wählten Die EU-Wahl ist geschlagen. Ein einheitliches Ergebnis gibt es nur, was die Wahlbeteiligung angeht: In den reichen Ländern (Nettozahler) ging sie weiter zurück, in den ärmeren Ländern, wo die Menschen in der EU einen Motor ihrer Entwicklung sehen, war sie hoch. Offenbar ist das Projekt der EU als Solidar- und Friedensgemeinschaft immer mehr Bürgern egal – auch ein Versäumnis der Politiker, die den heimischen Egoismus lieber bedienen als die europäische Solidarität.
Die Brandfolgen
Eine zweite Tunnelröhre durch die Tauern. Noch war das fürchterliche Unglück im Tauerntunnel nicht aufgeklärt, da waren sich die Politiker einig: Eine zweite Tunnelröhre muß her. Die Sicherheit sei wichtiger als die Bedenken der Umweltschützer. Wenn Wahlen vor der Tür stehen, muß Entschlossenheit demonstriert werden. Und schließlich, wann kommt wieder so eine Gelegenheit, einen Plan, den man vor zehn Jahren nur auf Druck der betroffenen Bevölkerung begraben hat, wieder aus der Schublade zu holen. Dort, wo der Verkehr fließt, ist Leben, sagte einst Tirols Landeshauptmann Eduard Wallnöfer. Heute wissen die Menschen im Inntal und auf dem Brenner, daß das ein Irrtum war. Je ungehemmter der Verkehr rollen kann, desto mehr gefährdet er die lokale Wirtschaft, die mit den billig herumkutschierten Produkten der Großkonzerne nicht mithalten kann, und er zerstört die Umwelt. Was wir brauchen, sind nicht mehr Tunnelröhren für den Verkehr, sondern mehr Sicherheit und eine Verkehrspolitik, die die Lawinen auf den Straßen nicht wie ein Naturereignis hinnimmt, sondern sie in rechte Bahnen lenkt.