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Der Bischof des Miteinander

Reinhold Stecher über Bischof Johann Weber
Ausgabe: 1999/24, Bischof, Weber, Stecher
15.06.1999
- Bischof Reinhold Stecher
ls ich Bischof Johannes Weber zum erstenmal in der Bischofskonferenz unter Vorsitz von Kardinal König begegnete, haben wir uns sofort verstanden. Nicht nur, weil er als ehemaliger Flakhelfer noch zu den Bischöfen der Kriegsgeneration gehörte, die die Erinnerung an eine überstandene Hölle mit sich herumtrugen und darum mit einer gewissen Dankbarkeit vor dem Leben und dem Dienst in der Kirche standen; nicht nur weil wir beide den großen Aufbruch der Jugendarbeit nach dem Krieg erlebt hatten und aus diesem Schwungrad immer noch etwas Morgenluft zugefächelt bekamen; nicht nur deshalb, weil für uns beide das Konzil die große Kurve in die Zukunft war, eine Kurve, die offensichtlich der Heilige Geist in einer einmaligen Demonstration der Gesamtkirche konstruiert hatte. Der tiefste Grund, warum ich mich von Bischof Weber so angesprochen fühlte, war einfach das Erlebnis, einem Seelsorger zu begegnen, der alle Vorstellungen von Würdenträger und Hierarchen verblassen ließ, weil er in tiefster Seele ein Pfarrer geblieben war.

Es ist ihm immer um die Seelsorge gegangen. Wie er, durch meine etwas respektlosen Zeichenkünste während der Sitzungen der Bischofskonferenz ermutigt, mich darum bat, sein Buch „Bei den Leuten“ (Styria) mit einigen Kritzeleien (Karikaturen) aufzulockern, habe ich ihn ganz spontan als Kolombus des steirischen Kirchenschiffes gezeichnet, am Bug eines vollen, bunt gefüllten Bootes stehend, in dem alles versammelt war, was sich so zwischen Dachstein und Save im katholischen Bereich tummelt. Er hatte sie immer alle im Herzen – und alle waren seine Sorge, so wie eben ein Stadtpfarrer sich auch nicht auf ein paar fromme Grüppchen und aszetische Eliten beschränken kann, sondern mit „Kreti und Plethi“ vorliebnehmen muß, wie sie ihm der liebe Gott in die Hürde treibt.

Er hat auch immer darauf vertraut, daß Gottes Geist das Segel mit dem Wappen der Grünen Mark nicht ganz erschlaffen lassen wird – und darauf hofft er trotz aller Widrigkeiten bis heute. Und so wünschen wir ihm und seiner Diözese weiterhin eine schäumende Bugwelle. Es hat rund um den Schloßberg vieles im kirchlichen Leben gegeben, was Zeichen gesetzt hat und was ich bewundert habe.

Er hat natürlich auf der dreißigjährigen Seereise seines bischöflichen Dienstes auch den anderen Begleiter erlebt, den mit dem Taucheranzug und dem Bohrer unter der Wasserlinie. Und in den unmittelbar vergangenen Jahren seines Wirkens sind diese lästigen Aktivitäten immer stärker geworden. Er hat das Amt des Vorsitzenden der Bischofskonferenz unter schwierigsten Bedingungen übernommen. Im Bemühen um glaubwürdige und konsequente Klärung kirchenbelastender Probleme hat er höherenorts leider wenig Verständnis gefunden. Als die Entfremdungen größer wurden, hat er versucht, den innerösterreichischen Dialog einzuleiten, der ihm von seinem Führungsstil her selbstverständlich war. Es hat ihn sicher sehr getroffen, daß das, was in Salzburg in einem so hoffnungsvollen Klima vor sich gegangen war, hintennach in nebulosen Verdächtigungen schlecht gemacht wurde, die in keinem einzigen Punkt beweisen konnten, daß ein Dogma der Kirche oder eine gesicherte Wahrheit der Heiligen Schrift verletzt worden wäre.

Das letzte Mal hörte man den Bohrer in den Planken knirschen, als plötzlich der Gedanke eines völlig überflüssigen Koadjutors – von wem immer er auch lanciert wurde – auftauchte. Er ist immer wieder einmal in Aktion, der „James Bond“ unter der Wasserlinie.Aber das Schiff pflügt weiter durch die See der Zeit. Und der bischöfliche Jubilar, der immer der Pfarrer der Seinen geblieben ist, hat unter seinem Wimpel nicht umsonst die fröhlichen Engel des Humors auf der Rahe sitzen. Sie werden ihn weiter begleiten, so wie der Wind des Geistes, der die Segel bläst.


„In seiner tiefsten Seele war er immer ein Pfarrer geblieben. “ „Höherenorts hat er leider wenig Verständnis gefunden.“

STICHWORT


Seit 30 Jahren ist der Grazer Diözesanbischof Johann Weber im Amt. Er ist damit der dienstälteste aktive Bischof im deutschsprachigen Raum. Am 19. Juni feiert die Steiermark ihren Bischof. Die Festabfolge ist so etwas wie ein Kurzporträt des populären Volksbischofs: Am Beginn steht ein Studientag mit dem Diözesanrat, ein Forum der Mitbestimmung, das Weber immer besonders geschätzt hat. Das Thema – ein Herzensanliegen Webers: Unterwegs zu einer neuen Gestalt der Kirche; der Titel des Referates des Jesuiten Albert Ziegler klingt wie die Überschrift für Webers Handeln: Ermutigung in Zeiten des Wandels. Zu Mittag gibt es ein ökumenisches Gebet in der evangelischen Heilandskirche. Am Nachmittag feiert der Bischof mit „seinen Leuten“ auf dem Platz der Versöhnung einen Festgottesdienst und auf den Plätzen rund um den Dom ein Fest der Begegnung.Weber war Kaplan, KAJ-Seelsorger und Stadtpfarrer, bevor er am 23. Juni 1969 die Leitung der von Fraktionskämpfen aufgewühlten Diözese Graz-Seckau übernahm. Versöhnung, Toleranz, Brückenbauen, Dialog und die Liebe zu den Leuten sind seine Stärken.
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