In voller Blüte präsentiert sich derzeit in Wäldern oder auf Wiesen, im Sonnenschein und im Halbschatten die meist blau-violette Glockenblume.
Nicht nur die glockenartige Form der Blüten, die der Glockenblume im 15. Jahrhundert ihren Namen gab, erinnert an die „metallenen Schlaggeräte in becherförmiger Gestalt“ (so ein Lexikon) in unseren Kirchtürmen. Auch die lateinische Pflanzenbezeichnung „Campanula“ ist eng verwandt mit dem italienischen Glockenturm, dem „Campanile“.
Glockenblumen wachsen in ganz Europa, die Blütezeit reicht von Mai bis August. Manche Glockenblumenarten werden über einen Meter hoch.Über Glockenblumen wird öffentlich viel weniger diskutiert als über das Geläut von Kirchturmglocken. Mancherorts stößt der Klang der Glocken, die die Zeit bekanntgeben oder zum Gebet bzw. zum Gottesdienst rufen, auf Widerstand. Anrainer fühlen sich gestört und verlangen Ruhe.Kein Mensch wird eine Glocke läuten, um andere zu stören. Früher, als es weder Quarzuhr noch Telefon, weder Radio noch Internet gab, war das Gegenteil der Fall, die Glocken dienten der Information der ganzen Bevölkerung eines Ortes. Zur Einteilung des Tages: die Glocken. Bei Gewittergefahr: die Glocken. Bei Feuer: die Glocken. Beim Tod eines Menschen: eine bestimmte Glocke. Wenn alle zusammenkommen sollten: die Glocken.
Heute stellen Glocken ein unverwechselbares Merkmal unserer christlich geprägten Kultur dar. Sie dürfen nicht aus den Orten und Städten verschwinden, ihr Klang soll weiter die Versammlung der Christen einläuten. Vor ca. 1400 Jahren kamen die ersten Glocken aus Nordafrika nach Europa. Seither und hoffentlich noch lange klingen sie in unseren Breiten.
Zweimal in diesem Jahrhundert nahm man die Glocken ab, um Kanonen daraus zu schmelzen. Wieviel besser ist da der friedliche Klang am Turm? Wieviel besser der stumme Klang der Glockenblume?