Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater bekennen (Mt 10, 32).Das Pickerl an der Rückscheibe des Autos bekennt. Parteien erwarten, daß sich zu ihnen bekannt wird. Man bekennt sich zu Erzeugnissen und Marken, Systemen, Manipulationen, Theorien und Theoremen, zu Nationen, Weltanschauungen und Fußballvereinen, zu Rezepten und Therapien. Demokratie in ihrer menschlichen Nähe und scheinbaren Schwachheit bestätigt sich vom Wesen her in vorauseilender Weise durch Bekennen, wozu oder zu wem, das ist zweitrangig. Das dumpfe Ahnen, daß all diesem Bekennen der Mut fehlt, fordert Bekenntnisse heraus, die gewagt sind, wobei der Inhalt nebensächlich ist. Gewagtes Bekennen gäbe es aber nur in Diktaturen, jedoch deswegen die Diktatur zu wollen ist abwegig. Es wird drauflosbekannt bis Bekennen eine Farce ist.
Ob Demokratie oder Diktatur, bekennen läßt sich nur Gott. Die Terra inkognita des Bekennens in unseren Demokratien ist eine der Facetten vom unbekannten Gott. Bekennen wird da wie dort Entscheidung sein und bleiben, nämlich zwischen Got-tes- und Menschenfurcht. Je mehr Menschenfurcht, desto inhaltsloser das Bekennen und umgekehrt: je inhaltsloser das Bekennen, desto größer die Menschenfurcht, desto mehr verkommt der Mut zur Provokation und Aggression. Was morgen anders und übermorgen vergessen ist, taugt nicht zum Bekennen. Deshalb ist es so ungeheuer wichtig, den Gott zu bedenken, den ich bekenne. Es sollte mir auffallen, daß es meinem beleidigten, empfindlichen Ich wohltut, einen strafenden, selbst beleidigten, immer drohenden Gott zu bekennen. Einen Gott zu bekennen, der den Untergang unserer Welt im Schilde führt, führt mir Parteigänger zu, macht mich interessant.
Einen gütigen Gott zu bekennen, das konfrontiert mit denen, die vom Schicksal gezeichnet sind und stellt vor unlösbare Fragen. Ein Gott-in-der-Welt, der mir in meinen täglichen Begebenheiten und inmitten des Vergänglichen seiner Schöpfung zuspricht, der sich mir in jedem Mitmenschen als Möglichkeit, wenn auch noch so verborgen, preisgibt, erfordert Mut. An die Stelle des Stolzes, etwas selbst, und nur ich selbst!, gefertigt, erreicht oder gemacht zu haben, tritt Dankbarkeit. Es beleidigt und fordert die Mächtigen dieser Welt heraus. Sie dulden nur solche, die niemanden sonst, nur ihnen selbst, dankbar sind. Das kann auch einer sein, der mitten in mir selber hockt, wenn ich einer sein will, der alles selbst gemacht hat. Die Bekenntnisschwemme ist kein Erweis des Mutes.