Welche Sicherheiten brauchen Sie, um angenehm zu leben? Eine Wohnung, eine stabile Partnerbeziehung, einen Beruf, einen Freundeskreis? Glaubt man Meinungsumfragen, so sind das die Eckpfeiler der Sicherheit für Menschen am Ende der 90er-Jahre.
Lesung und Evangelium dieses Sonntags sagen Sicherheit zu: Bei Jesaja ist die Rede von einem hohen königlichen Beamten, der wie ein Pflock an einer festen Stelle eingeschlagen wird. Ein Zeltpflock muss besonders gut halten, da an ihm das ganze Zelt hängt. Im Evangelium ist die Rede von einem Fels, der als fester Untergrund eines Gebäudes dient. Diese Bilder vermitteln Beständigkeit und Sicherheit.
Menschen in ganz unterschiedlichen Situationen wünschen sich Sicherheit. Jene Roma, die nach dem Kosovo-Krieg zwischen den Stühlen sitzen und nicht wissen, wohin sie gehen sollen, wünschen sich einfach ein Land, in dem sie ohne Anfeindung leben können. Wir leisten uns den Luxus ganz anderer Sicherheitswünsche. Wir wollen nicht verlieren, was wir uns an Wohlstand und Sicherheit aufgebaut haben. Dieser Wunsch nach Beständigkeit kann Stillstand und Enge nach sich ziehen.
Ich frage mich oft, wie Sicherheiten aussehen können, die nicht zu eingefahrenen Bahnen werden. Der Wunsch nach Beständigkeit kann leicht enttäuscht werden. Ich kenne einen Bauern, der, um den Bestand seines Bauernhofes zu sichern, schweren Herzens mit seiner Frau in ein Altersheim ging, um den Auseinandersetzungen mit den Nachfolgern aus dem Weg zu gehen. Zur Zeit muss er erleben, dass der Weitergang der Landwirtschaft aus Gründen der Wirtschaftlichkeit in Frage gestellt ist. Hat er sein Opfer umsonst gebracht?
Geschichte können wir nicht zwingen. Jede Sicherheit kann schon morgen und noch viel wahrscheinlicher in ein, zwei Jahrzehnten wieder vorbei sein, andere Sicherheiten werden an ihre Stelle treten. Blicken wir noch einmal auf die Bilder der Lesungen, so müssen wir zugestehen: Ein Zeltpflock kann ausreißen (so geschieht es auch), und sogar ein Fels kann zu bröckeln beginnen, wenn wir an die Ereignisse am Tiroler Eiblschrofen in diesem Sommer denken.
Dieser Gedanke hält beweglich. Sich in Sicherheiten einzumauern, schneidet von der Entwicklung ab. Wenn ich sehe, mit welcher Selbstverständlichkeit Kinder mit dem Computer hantieren, erahne ich ganz neue Arbeits- und Lebensweisen für die Zukunft. Wir können die Geschichte nicht aufhalten. Halten wir uns bereit für das, was sie uns bringt!