Ungewöhnlich für eine Pfarre. Meggenhofen ist Mekka für Autofreunde
Ausgabe: 1999/34, Meggenhofen, Oldtimer
24.08.1999
- Kirchenzeitung der Diözese Linz, Peter Zechmeister
Hunderte alte Autos verwandelten am Wochenende den Pfarrhof Meggenhofen in ein riesiges Museum. Dem außergewöhnlichen Hobby von Pfarrer Manfred Brandl verdankt der Ort das größte Oldtimer-Treffen Österreichs.
Pfarrer Brandl schwebt in zehn Metern Höhe. Unter ihm vier rote Flitzer. Herkunftsland Italien. Stückpreis so um die drei Millionen Schilling. Auf der Hebebühne ist es eng, doch von hier oben hat man den besten Überblick. Er ist selber stolzer Besitzer mehrerer alter Fahrzeuge. Der Autoliebhaber im Kollar deutet Richtung angrenzende Wiese. Gestern, Samstag, sei sie zum Platzen voll gewesen. Zugeparkt mit Autos, die meisten 20 bis 80 Jahre alt. Auch jetzt, am Sonntag Vormittag nach der Messe, ist nicht mehr viel Platz. Daneben stehen ein Bierzelt und ein paar Getränkebuden. Volksfeststimmung. Auf der anderen Seite, im ummauerten Pfarrhof, duftet es nach gegrillten Würsteln. Die kulinarische Spezialität der Veranstaltung sind Pofesen. 1500 Eier hätten sie für die mit Marmelade gefüllten, getunkten Toastscheiben schon verbraucht. Ein paar Hundert würden sicher noch weggehen, meinen die drei Frauen hinter dem überdachten Standl mit der Süßspeise. Für das Oldtimer-Wochenende ist die Pfarrgemeinde rund um die Uhr im Einsatz. 120 Mitarbeiter/innen umfasst das Team. Was in anderen Pfarren der Flohmarkt, ist in Meggenhofen diese Veranstaltung. Der Pfarrhof sei renovierungsbedürftig, und in den nächsten Jahren komme die Kirchenfassade dran. Da ginge viel Geld auf, heißt es.Wem der Trubel zu viel wird, backt zu Hause Kuchen. Die Jugend der Pfarre übernimmt den Abwasch und die Bierausschank. Bei dem freundlichen Wetter und den tausenden Gästen sollen die Kehlen nicht austrocknen. „So genau weiß ich das gar nicht, aber 10 Fassln Bier mit 50 Liter werdens gestern schon gewesen sein“, sagt der junge Zapfmeister. Doch nicht nur die Leute haben Durst. „Na ja, 20 bis 30 Liter “, sagt einer, der mit einem schwarzen Sportwagen hier ist. Er meint den Benzinverbrauch auf 100 Kilometer. Höchstgeschwindigkeit locker 200 km/h. Kein Wunder bei den 300 PS. Brandl schreitet zur Segnung. Ein Ministrant an seiner Seite trägt den Weihwasserkessel. In den vergangenen Jahren habe man noch die Fahrzeuge gesegnet. Doch „das machen wir nicht mehr“, erklärt der Priester, dieses Mal gelte der Segen den Fahrern. Dabei stehen auch Fahrzeuge am Platz, die um ein Vielfaches älter sind als ihre Erhalter. Mehr an eine Postkutsche als an ein Auto erinnert ein Ford aus dem Jahre 1911. In jahrelanger Kleinarbeit habe er das alte Stück restauriert, erzählt der Besitzer. 15 PS, Höchstgeschwindigkeit 60. Sein Automobil würde noch jede Steigung hinauffahren. Doch nun erwäge er, es zu verkaufen. Irgendwann kämen andere Dinge zu kurz. Dann müsse man sich zwischen Familie und Hobby entscheiden, sagt er etwas wehmütig.
Immer mehr
Das war das zehnte Oldtimer-Treffen in Meggenhofen. Einst war es ein kleiner Kreis von Autoliebhabern, die mit ihren Fahrzeugen auf Besuch zum „Oldtimer-Pfarrer“ Brandl gekommen sind. Dann wurden es immer mehr. Die diesjährige Teilnehmerzahl steht noch nicht fest, doch 800 erscheint realistisch.Über 200 Wagen fuhren am Samstag bei der „Landl-Rallye“ mit. 120 Kilometer ging es durch Hausruck- und Innviertel. Dabei haben sich drei der alten Schnauferl überanstrengt. Der Rest schaffte es bis ins Ziel. Der Erlös dieser Fahrt, rund 60.000 Schilling, geht an caritative Zwecke.