Die Großdemonstration gegen die jugoslawische Staatsführung, an der an 19. August in Belgrad rund 150.000 Demonstranten teilgenommen haben, ist nach Ansicht der serbisch-orthodoxen Kirche ein „klares Signal der Unzufriedenheit der Bevölkerung“ und der „Sehnsucht nach Demokratie“. Es habe sich gezeigt, dass die Bürger keine Angst haben, ihre Unzufriedenheit öffentlich kund zu tun, hieß es aus Kreisen des Patriarchats. Erleichtert zeigte sich die Kirche, dass die Demonstration friedlich verlief. Bischof Atanasije Rakita, der als offizieller Vertreter der Kirche an der Protestveranstaltung teilnahm, verlas auch eine Grußbotschaft des serbisch-orthodoxen Bischofs für den Kosovo, Artemije. Darin hieß es unter Anspielung auf das an diesem Tag begangene Fest der „Verklärung Christi“, dieses Fest müsse der Beginn eines Wandels jedes einzelnen Serben und des gesamten Volkes sein. Das bedeute, Schluss zu machen mit Kriminalität, Machtgier und „Parasitentum einer kleinen, seelenlosen Herrscher-Clique“. Milosevic und sein Regime müsse gehen, „nicht weil er vier Kriege verloren hat, sondern weil er sie begonnen hat“, hob der Bischof hervor. Milosevic habe die historische Chance vertan, Serbien vom Kommunismus zu befreien. Noch gebe es Auswege und eine Chance auf Rettung, dafür müsse aber zuerst Milosevic dem Volk den Weg freimachen.