S o viel Leidenschaft! Und das bei Jeremia, einer prophetischen Autorität Israels! Die Verse der alttestamentlichen Lesung lassen erahnen, welche Intensität die Gottesbeziehung dieses Mannes gehabt haben und wie das Auftreten dieses Mannes beeindruckt haben muss. Das prophetische Auftreten bringt Jeremia jedoch keine Anerkennung, sondern nur Verachtung ein. Wer sich leidenschaftlich für etwas einsetzt, riskiert, belächelt zu werden. Leidenschaftlichkeit und Emotionalität sind im öffentlichen Leben keine Tugenden. Vielleicht, weil sie bei den Hörerinnen und Hörern Gefühle berühren, die sie nicht immer berührt haben wollen. Es ist nicht jedermanns Sache, starke Emotionen auszuhalten. Mangelnde Überlegung und Beherrschung haben leicht zur Folge, dass eine Botschaft nicht ernst genommen wird.
Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden. Vernünftigkeit und Vermittelbarkeit der eigenen Gedanken und Beweggründe sind Voraussetzung dafür, dass man überhaupt verstanden wird. Aber wenn Sie gefragt werden, was Sie im Leben eigentlich vorantreibt, nennen sie da vernünftige Argumente? Oder sind nicht gerade Gefühle, Interessen, Liebe, Sympathie oder Antipathie die Antriebskräfte für die wichtigen Entscheidungen Ihres Lebens?
Leidenschaft raubt die Ruhe und bringt Spannungen. Jeremia will seine Ruhe, will seiner prophetischen Tätigkeit nicht mehr nachgehen, will sich von Gott abwenden. Doch eine Leidenschaft kann nicht so einfach in Schranken gewiesen werden. In Jeremias Herzen „brennt ein Feuer“, das er weder aushalten noch auslöschen kann. Jeremia „brennt“ für Gott.
Wofür „brennen“ sie? Für Ihren Partner, für Ihre Kinder, für Ihren Beruf? Oder anders gefragt: für Fernreisen, Ihren Garten, Ihr Hobby? Haben Sie einen großen Traum? Wie gehen Sie mit diesen Leidenschaften um? Geben Sie ihnen Raum oder sind Sie allzuschnell vernünftig und denken realistisch, was alles gerade jetzt nicht geht? Weil es zu kompliziert ist, weil dafür auch später noch Zeit ist, weil das Hausbauen vorgeht, weil dafür eigentlich kein Geld da ist?
Eine Leidenschaft, ein Feuer in seinem Inneren sollte man nicht leichtfertig auslöschen oder kleinhalten, in der Hoffnung, es später wieder entfachen zu können. Denn dann ist der richtige Zeitpunkt vielleicht vorbei. Wer Träume, die erfüllbar sind, nicht lebt, steht vielleicht eines Tages da und erkennt, dass das Leben an ihm vorübergezogen ist. Ein Feuer wartet nicht, es brennt gerade jetzt. Löschen wir es nicht aus!