Pater Alfred Spiessberger aus Altmünster, seit 1965 in Bolivien Missionar, derzeit auf Heimaturlaub, stattete uns einen Besuch ab.
Pater Spiessberger widmet sich in Bolivien besonders den Waisen und verlassenen Kindern. 1971 schon konnte er nach seinem ersten Heimaturlaub in San José de Chiquitos ein Kinderdorf gründen. In der Folge baute er in der Stadt Santa Cruz in Ostbolivien ein zweites Kinderdorf. Sie trugen den Namen „Hermann Gmeiner“. Vor drei Monaten haben sie eine Namensänderung erfahren, weil sich SOS International auch den Namen Hermann Gmeiner hat schützen lassen. Die Kinderdörfer heißen nun „Aldeas de Ninos Padre Alfredo J. Spiessberger“. Auch drei Jugendhäuser hat der Pater errichtet, um den heranwachsenden Jugendlichen eine berufliche Ausbildung ermöglichen zu können. Und er gründete einen Kindergarten für Kinder allein stehender, berufstätiger Frauen sowie zwei Grundschulen. Seit zwei Jahren gibt es auch ein Zentrum für ganz junge, verlassene Mütter. Die jüngste Mutter ist mit zwölf Jahren mit ihrem einige Tage alten Kind hilflos und ohne jede Unterstützung vom Vater und ihren Eltern im Zentrum aufgenommen worden. „Mein Ziel ist es, wenigstens einer kleinen Zahl dieser vielen jungen Frauen zu helfen, damit sie nicht verzweifeln und in ihrem Mutterschoß ihr Kind töten lassen. Wir wollen ihnen helfen, verantwortliche, fähige Mütter zu werden und vor allem zu lernen, ihre Kinder echt zu lieben.“ Die jungen Mütter könnten drei Jahre bleiben, allerdings finden viele schon nach einigen Monaten zu Hause oder beim Kindesvater Aufnahme. In den Einrichtungen erfahren etwa 400 Kinder und Erwachsene Aufnahme und Geborgenheit. In die zwei Grundschulen und den Kindergarten kommen zudem 700 Kinder. „Das alles ist möglich durch die Vorsehung Gottes, die viele großherzige Menschen als ,Mitarbeiter’ eingeladen hat“, sagt Pater Spiessberger, der für alle Hilfe herzlich „Vergelt’s Gott“ sagen will.
Auf dem Weg zum Missionar
Der 1938 in Altmünster geborene Johann Spiessberger begann zuerst eine Zimmerer-Lehre. Er erinnert sich an schöne Erfahrungen bei der Katholischen Arbeiterjugend. Schon bald fühlte er die Berufung zum Priester und begann mit Hilfe eines Franziskanerpaters die „Arbeitermittelschule“. Er trat in den Franziskaner-Orden ein und empfing 1964 als Pater Alfred die Priesterweihe. Kaum ein Jahr später fuhr er mit dem Schiff nach Bolivien. Die Fahrt dauerte drei Wochen. Seine seelsorgliche Arbeit gilt seither den Notleidenden. Ideelle und materielle Unterstützung von der Heimat waren ihm dabei eine große Hilfe. So konnte er vielen Menschen in geistiger und materieller Not helfen. Aber auch er muss feststellen – „der Unterschied zwischen Arm und Reich wird immer größer, die Armen werden immer ärmer.