Er galt als ausgezeichneter Theologe, wacher und gesellschaftspolitisch hoch engagierter Zeitgenosse, vor allem aber als warmherziger und großmütiger Mensch: Johannes Dantine. Der evangelische Oberkirchenrat ist am 24. August in Wien gestorben. Als „großen Verlust für die Ökumene“ bezeichnete Oberin Christine Gleixner Dantines Tod. Beide waren in den vergangenen Jahren stellvertretende Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ). Der Sekretär des ÖRKÖ, der methodistische Superintendent Helmut Nausner, über Dantine: „Durch seine klaren, manchmal auch aggressiv wirkenden Stellungnahmen hat er beeindruckt.“ Bei verschiedenen Gelegenheiten habe er eine für viele überraschende Bereitschaft zur Versöhnung gezeigt und „mutige Schritte gesetzt“. Damit habe er „ein Zeugnis für die Kraft des Evangeliums abgelegt, das er selbst geglaubt und das sein Leben bestimmt“ hat. Der evangelisch-lutherische Bischof Herwig Sturm zeigte sich bestürzt über das „für uns alle doch sehr überraschende“ Ableben des an Krebs Erkrankten. Seine „ganz große Überzeugung war es, dass gerade die Kirche für die Schwächeren da zu sein hat.“ Für den Wiener Weihbischof Helmut Krätzl verliert die römisch-katholische Kirche „einen im guten Sinn herausfordernden Gesprächspartner und mitsorgenden Wegbegleiter in schwerer Zeit“. Der Ökumene in Österreich werde einer der „profiliertesten und leidenschaftlichsten Wegbereiter fehlen“. Dr. Johannes Dantine, 1938 in Wallern (OÖ) geboren, studierte evangelische Theologie in Wien, Basel, Göttingen, Lausanne und Paris. 25 Jahre lang war er Pfarrer in Wien-Gumpendorf. 1990 wurde der Professor an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Uni Wien zum Geistlichen Oberkirchenrat gewählt. Nach dem Tod Dantines werde es in der Kirchenleitung nicht zu inhaltlichen Änderungen kommen, meinte Bischof Sturm: „Wir haben wirklich an einem Strick gezogen und waren in wesentlichen Punkten immer einer Meinung.“