Ausgabe: 1999/35, Hartmann, Zeitzeugen, Frauen, Serie
31.08.1999
- Walter Achleitner
Wenn der am ersten Freitag im März durchgeführte „Weltgebetstag der Frauen“ aus der ökumenischen Szene heute nicht mehr wegzudenken ist, darf die Pionierleistung einer Frau nicht vergessen werden: Helga Hartmann. Denn, nach einem ersten Versuch der Methodistenkirche im Jahr 1934, war sie es, die am 20. Februar 1953 erstmals in Österreich zur Feier des Weltgebetstages eingeladen hatte. Hartmann, am 27. Juli 1899 in Dresden geboren und 1931 nach Österreich „ausgeborgt“, lernte die Idee im besetzten Deutschland kennen. US-amerikanische Offiziersfrauen hatten dort die Gebetsbewegung ins Leben gerufen.Elf Frauen kamen 1953 und alle waren fest entschlossen, den Gedanken weiter zu tragen. Als Direktorin der „Evangelischen Frauenschule für soziale Dienste“ in Wien brachte Helga Hartmann die Idee an die Basis. Ihre Absolventinnen, für die sie leidenschaftlich um die Gleichbehandlung in den Gemeinden kämpfte, waren von ihrem Enthusiasmus angesteckt. Zwar riet die „Frau Direktor“, auch die Zusammenarbeit mit katholischen Frauen zu suchen, doch die ließen sich noch Zeit. Erst 1970 kamen die römisch-katholischen Schwestern, was Helga Hartmann noch erlebte, ehe sie 1971 starb. 1992 bereiteten Frauen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich die weltweite Liturgie vor. Und 1999 wurde in über 400 Gottesdiensten in Österreich der Weltgebetstag ökumenisch gefeiert.