- Kirchenzeitung der Diözese Linz, Annemarie Spirk
Peter Handke schreibt in seinem Roman „Die langsame Heimkehr“ über die – wie er sie nennt – „unablässig Glaubenden“: „Jedenfalls war er berührt von ihrer Launenlosigkeit, ihrem so mühelosen Wechsel zwischen Ernst und Heiterkeit, ihrem beharrlichen, wohltätigen, guten Nach-außen-gekehrt-Sein.“
Beim Lesen von Röm 14, 7–9 erinnerte ich mich an diese Stelle in Handkes Roman. Sie scheint mir eine treffende Beschreibung derjenigen Menschen zu sein, die mit Paulus sagen können: Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn. Paulus charakterisiert hier mit sehr eindrücklichen Worten die persönliche Beziehung, in der jeder Christ zu Jesus Christus steht. Und die Gelassenheit, die aus solcher Lebens-Einheit entspringt, umfasst auch das Sterben.
Nelly Sachs sagt in einem ihrer späten Gedichte: „Und ich sehne mich weiß nach dir Tod, – sei mir kein Stiefvater mehr.“ Das Ich bittet darum, dass der Tod wie ein Vater sei. Von dem väterlichen Tod möchte dieses Ich angenommen werden, also aus dem töd-lichen Todesbereich befreit werden. Der Weg durch das Leid im Totenbereich würde in Geborgenheit enden. Die düstere Reise könnte zu einem lichten, weißen Endpunkt kommen. Dort kommt das Ich verwandelt an.
Jesus Christus kennt als der Gestorbene und jetzt ewig Lebende keine Grenze seiner Herrschaft. Sein Leben bemächtigt sich auch unseres Todes und macht diesen zu einem Vater, der in die Geborgenheit führt und in die endgültige Wandlung.
Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn. Der dies gesagt hat, war ein zu Christus Bekehrter. Sein Herz, die Mitte seiner Person, war erfüllt von ihm. Mit seinem Leben und mit seinem Tod hat er bewiesen, dass ihn nichts scheiden konnte von der Liebe Christi. Und auch uns fordert er auf, unser Herz Christus zu schenken, damit wir als „unablässig Glaubende“ in Gelassenheit und Güte leben und den Tod nicht fürchten.
Dazu aber bedarf es des Gebetes, das ohne Ich-Bezogenheit und in Hingabe an Gott vollzogen wird. „Hört nicht auf zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist“, sagt Paulus im Epheserbrief. Mit anderen Worten: Betet mit dem Verlangen, zu dem vom Geist angetriebenen Gebet zu gelangen.
Ein solches Gebet hält die Seele bewusst vor dem Antlitz des allgegenwärtigen Gottes. Denn nach dem Apostelwort ist das Leben des Christen „ver-borgen mit Christus in Gott“ (Kol 3, 3).