Es macht einen Unterscheid, ob jemand nur Freunde haben will, oder ob er selbst vor allem Freund sein will. Der Weg aus der Einsamkeit beginnt eher beim Zweiten.
Knapp 8 Millionen Einwohner hat Österreich. Obwohl der Wunsch nach geglückten Beziehungen in der Wunschliste ganz oben steht, werden immer mehr Menschen tatsächlich zu „Ein-wohnern“, nämlich zu für sich allein lebenden Menschen. Da geht es gar nicht so sehr um die Frage, ob jemand verheiratet ist und Kinder hat. Auch Verheiratete können in Wirklichkeit ein sehr „einsames“ Leben führen, während Singles wiederum ein höchst beziehungsreiches Leben haben können. Beziehung und Freundschaften entstehen nicht von allein. Ältere Menschen erleben es, wenn die Vertrauten wegsterben, die Menschen nämlich, deren Dasein man ganz selbstverständlich genommen hat. Jüngere erleben es, wenn sie in der anstrengenden Phase des Berufslebens auf die Pflege ihrer Beziehungen über die Familie und Verwandtschaft hinaus wenig Wert beimessen. In Familien fällt die Frage, wer sich um Besuche kümmert, oft der Frau zu. Doch ein Mann tut gut daran, sich selbst darum zu kümmern. Obwohl die Offenheit für Menschen, die einem wie zufällig begegnen, deren Bekanntschaft ganz ungeplant war, ein hoher Wert und ein großes Geschenk darstellt, brauchen diese Beziehungen doch auch den „Dünger“ der Beziehungspflege. Ohne tatsächliches Beisammensein und ohne die regelmäßigen Zeichen der Verbundenheit werden sie dahinkümmern. Wirklich zusammensein kann man freilich nicht nur im physikalischen Sinn. Ein Austausch über Briefe kann Entfernungen überbrücken. Eine spitituelle Verbindung im Gebet bewirkt Nähe.Menschen, die unter Alleinsein leiden, mag es eine Hilfe sein, den „Weg“ aus ihrer Einsamkeit über das Mitwirken in einer Gruppe zu finden. Aus dem Mitarbeiten wächst das Mitleben. Ob es der Einsatz bei einer Dritte-Welt-Gruppe oder in einem Verein ist – solche Gruppen öffnen die Chance, auch für sich selbst Weggefährten/innen zu finden.
Wer auf der Suche nach Freunden für das Leben ist, mag dieses bedenken: Es macht einen großen Unterschied, ob ich Freunde haben will oder ob ich Freund sein will. Zweiteres ist vermutlich der bessere Weg. „Das andere wird euch hinzugegeben“, sagt die Heilige Schrift in ganz ähnlichem Zusammenhang. Mit der „Brechstange“ lassen sich Freunde nicht erzwingen.