In loser Folge bringt die Kirchenzeitung „Alltagsgeschichten“ von Zeitzeugen zum Leben an der Grenze beim Eisernen Vorhang, der vor zehn Jahren fiel.
Die Wachhunde der tschechischen Grenzpatrouillen hatten breite Halsbänder, die mit einer Antenne und einem Empfänger ausgestattet waren. So konnten die Soldaten, die in den Grenzkasernen Dienst versahen – pro Kaserne etwa 80 bis 100 Mann und 10 bis 15 Schäferhunde – auf der scharfen Jagd nach Menschen dirigiert werden. Einer dieser Hunde aber hat sich das Halsband aufgerissen und verlor so den Kontakt zu seiner Einheit. Er verlief sich nach Österreich und wurde ziemlich lumpig und hungrig bei einem Bauernhaus gefunden. Die Bauersleut’ riefen den Bürgermeister ihrer Gemeinde Schönegg an, Fritz Winkler, der sich noch ganz gut an die Sache erinnert. „Da liegt ein tollwütiger Hund bei uns“, wurde ihm gemeldet. Der Tierarzt griff ihn auch nicht an. Des Bürgermeisters Frau aber steckte den Hund in ihr Auto und brachte ihn zu sich nach Hause.Nun setzte die Familie des Bürgermeisters alle Hebeln in Bewegung, um herauszufinden, wem der Hund gehört. Futter gab’s natürlich auch. Der Schäferhundeverein winkte ab: „Der gehört uns nicht.“ Die Gendarmerie hegte einen Verdacht: „Am End’ ist es gar ein tschechischer Wachhund? Gebt ihm nichts zu fressen“, war noch ein Rat.Und so war es auch. Der Hund wurde hochoffiziell zur Grenze gebracht und dort den Tschechen übergeben. Wie das Leben des Hundes weiterging, liegt im Verborgenen. Vielleicht hatte er einmal Gnade mit einem Flüchtling.Aufgezeichnet von Ernst Gansinger, erzählt von Fritz Winkler