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Unsere Kühe fressen den Amazonas auf

Mit der Nahrung verändern wir Landschaften – nicht nur bei uns
Ausgabe: 1999/37, Amazonas, Kühe, Bad Ischl
14.09.1999
- Judith Moser
Wie wir uns ernähren, beeinflusst nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch die Landschaft – unsere genauso wie die der sogenannten Dritten Welt. Ein Aspekt des Oberösterreichischen Umweltkongresses in Bad Ischl.Facetten rund um die Ernährung wurden beim Umweltkongress der oö. Umweltakademie letzte Woche beleuchtet. Natürlich prägt die Ernährung unsere Gesundheit und unser äußeres Erscheinungsbild, aber mit dem, was wir essen, wirken wir auch ökologisch und sozial. Unter dem Titel „Regenwald und Wiener Schnitzel“ erzählte der Journalist und Buchautor Dipl.-Ing. Siegfried Pater etwa, dass der Amazonas gerodet wird, um neue Anbauflächen für Sojabohnen zu bekommen. Es gibt in Brasilien Familien, die Sojaflüchtlinge genannt werden. Sie wurden von ihrem Land vertrieben – von Großgrundbesitzern, die in den Soja-Anbau investiert haben. Durch die Monokulturen gehen viele Arbeitsplätze verloren.

Sojaflüchtlinge


Die Sojabohnen werden aber nicht für die Ernährung der hungernden Bevölkerung in Brasilien verwendet – etwa die Hälfte der Bewohner des Landes lebt in Armut –, sondern nach Europa exportiert, wo sie zu Öl verarbeitet oder als Futtermittel in der Massentierhaltung eingesetzt werden.Der Amazonas wirkt als „Weltklima-Anlage“. Er ist auch für die Erwärmung des Golfstroms verantwortlich, der unser Klima beeinflusst. Sobald dieses System nicht mehr funktioniert, wird die Temperatur in Europa um bis zu sieben Grad sinken. Weizen würde hier nicht mehr wachsen.

Mitwelt statt Umwelt


Pater fordert die Menschen zu einer neuen Weltsicht auf: „Die Industrie sieht die Welt nur als Ansammlung von Ressourcen.Wir sollten mehr von ,Mitwelt’ statt von ,Umwelt’ reden, weil wir ohne Pflanzen und Tiere nicht existieren können.“ Menschen sind nicht Mittelpunkt der Welt, sondern ein Teil dieses Organismus.Er fordert die Menschen auf, bewusster zu leben, und hat dafür auch Thesen aufgestellt: Zum Beispiel sollte man darauf achten, pflanzliche Lebensmittel zu bevorzugen, weil tierisches Eiweiß im Vergleich viel mehr Energie benötigt als pflanzliches. Genauso sollte man darauf achten, unnötige Lebensmittelverarbeitung zu vermeiden, oder Erzeugnisse aus kontrolliert-ökologischer Landwirtschaft bevorzugen. Gemüse und Obst sollten aus regionalem Anbau und entsprechend der Jahreszeit eingekauft werden und beim Einkaufen sollte man überhaupt darauf achten, aufwendige Lebensmittelverpackung zu vermeiden. Wenn diese Empfehlungen eingehalten würden, könnte man das „Wiener Schnitzel“ wieder ohne schlechtes Gewissen genießen.

Essen prägt Landschaft


Auch die Landschaft „vor unserer Haustür“ wird von unserem Konsumverhalten geprägt. Würden alle Bauern in Österreich weltmarktorientiert produzieren, würde es nur intensiv bewirtschaftete landwirtschaftliche Betriebe geben, wie Ludwig Maurer vom Ludwig-Boltzmann-Institut für biologischen Landbau in Wien meint.

„Weil sich die meisten Österreicher mit der schönen Kulturlandschaft identifizieren, ist es auch gesellschaftspolitisch wichtig, dass es kleine Landwirtschaftsbetriebe gibt“, so Maurer. Er denkt dabei auch an den Tourismus. Es müssten ökonomisch tragfähige Alternativen zur Globalisierung geboten werden, weil derzeit kein Bauer vom Ertrag leben kann. Die Förderungen seien deshalb notwendig.

Es ist aber auch nicht sinnvoll, sich vom Weltgeschehen abzuschotten. „Internationales Bewusstsein ist nötig, dann wird fairer Handel selbstverständlich sein“, ist Maurer überzeugt.
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