Thomas Hofer, „profil“-Journalist und Autor des im Vorjahr erschienenen Bandes „Gottes rechte Kirche“, hat soeben ein neues Buch vorgelegt. Gemeinsam mit dem Wiener Priester und Psychotherapeuten Johannes Wahala nähert er sich darin einem Thema, das in der katholischen Kirche gleichermaßen relevant wie tabuisiert ist: die Homosexualität kirchlicher Menschen.
Kernstück des insgesamt 208 Seiten umfassenden Buches ist ein 147-seitiges Interview, das Hofer mit Wahala bei Gesprächen in der Gesamtlänge von 28 Stunden geführt hat. Johannes Wahala war im November 1997 vom Wiener Kardinal Christoph Schönborn wegen öffentlicher Stellungnahmen zum Thema Homosexualität und wegen seelsorglicher Betreuung homosexueller Menschen als Pfarrer abgesetzt und später jeder priesterlichen Tätigkeit enthoben worden. Diese Erfahrungen sind es wohl, die Wahala ein ziemlich unfreundliches Bild des Kardinals zeichnen lassen. Wenn die Redaktion der Aussagen dann noch bei einem Magazinjournalisten liegt, ist an Schärfe nicht zu zweifeln (so lauten etwa die beiden ersten Kapitel-Überschriften: „Schönborn ohne Gnade“ und „Krenn im Schafspelz?“).Seine Daseinsberechtigung zieht das Buch aber in Wirklichkeit nicht aus dem „Fall Wahala“, sondern vielmehr aus einer Reihe persönlicher Stellungnahmen homosexueller Priester und kirchlicher Mitarbeiter, die mit Ausnahme Wahalas anonym bleiben. Nun ist unwiderlegbar klar: Dieses Thema ist ein Thema.
Thomas M. Hofer/Johannes Wahala: Abgesetzt von Schönborn. Österreichs Kirchenkrise und der Fall Wahala. Ueberreuter Verlag Wien, S 291,–