Religiöse Kinderbücher im Aufwind - auch eltern lernen gern dazu
Ausgabe: 1999/38, Religiöse Kinderbücher
21.09.1999
- Maria Haunschmidt
„Lies mir was vor vom lieben Gott!“ Ein Kinderwunsch, der öfter geäußert wird, als man glaubt. Religiöse Kinderliteratur boomt.
Ein Marktführer auf dem Sektor religiöse Kinderbücher, der Freiburger Herder-Verlag, erwirtschaftete im Vergleich zu 1997 ein Umsatzplus von 30 Prozent. Dies geht vor allem auf das Konto von Kinderbibeln, Gute-Nacht-Gebeten und Messbüchern in kindgerechter Sprache. Auch österreichische Verlage brauchen ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. „Es gibt so viele qualitätsvolle Kinderbücher und engagierte Autoren wie noch nie“, so Ingrid Schietz, Buchverkäuferin in einer großen Buchhandlung mit Schwerpunkt Religion.
Über die Schule
Oft ist es ein guter Religionsunterricht, der Kinder zu Fans von religiöser Literatur macht, weiß Abteilungsleiterin Margit Gollmann. Auch greifen Eltern dankbar Buchempfehlungen von Religionslehrern bei Elternabenden auf. Viele Erwachsene möchten ihren Kindern oder Enkeln die Grundlagen des Glaubens und christliche Werthaltungen zu exizentiellen Themen wie Leben, Tod, Gerechtigkeit, Gemeinschaft vermitteln – fühlen sich aber überfordert und greifen daher zu Büchern. „Möglicherweise wollen sie ihr eigenes Wissen durch Vorlesen oder Mitlesen aufbessern!“, vertritt Inge Cevela von der „STUBE“, der Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur in Wien, die selbe Meinung wie Verlagschef Manuel Herder. Insgesamt sieht sie den an sich sehr erfreulichen Trend etwas differenzierter. Viele der Bücher werden zu besonderen Anlässen wie Weihnachten, Erstkommunion oder zur Firmung geschenkt, weil in den Augen der Erwachsenen ein religiöses Buch „dazugehört“. Während die Kleineren begeisterte Leser/innen sind, ändert sich das meist im Pubertätsalter. Das geschenkte religiöse Buch wird sehr oft wie ein Album abgelegt und verstaubt dann im Bücherregal. Inge Cevela grenzt auch den Begriff „religiöse Literatur“ ein: „Sinnfragen werden zwar immer heftiger gestellt, es finden sich aber immer öfter keine explizit christlichen Antworten.“
Einem Zeittrend entsprechend werden Ideen aus den verschiedensten Religionen und esoterische Überlegungen aufgegriffen – oft sehr beliebig. Damit beschäftigt sich eine Tagung am 26. Nov.
Studientagung zur religiösen Kinder- und Jugendliteratur: Transzendentia C 12 – Muss Religion homöopathisch verabreicht werden? (26. Nov.). Die Veranstaltung, anlässlich des 60. Geburtstages von Lene Mayer-Skumanz, findet in Zusammenarbeit mit „Thema Kirche“, ÖBW und RPI Wien statt. Anmeldungen: Tel. 01/515 52-3784.