Jede zu Ende gegangene Partnerschaft hat in der Vergangenheit Schönes und Trauriges gebracht. Doch je nachdem ob Tod oder Trennung den Abschied bedingten, steht entweder das Positive oder das Negative im Vordergrund. Beim Verlust eines Menschen durch Todesfall wird die vergangene Zeit eher durch eine rosarote Brille gesehen. Negatives tritt zurück, der Verstorbene wird glorifiziert. Beim Verlassen-Werden durch Trennung oder Scheidung überwiegt oft die Bitterkeit. Erlittene Verletzungen und Kränkungen stehen im Vordergrund und brauchen viel Zeit, um verarbeitet zu werden. Das Schöne, das man auch mit dem Partner erlebt hat, verblasst dadurch.
Trotzdem ist und bleibt dies ein Teil unserer Lebensgeschichte. Mag sein, dass am Anfang Hass und Enttäuschung an erster Stelle stehen und dass man vor Schmerz nichts mehr damit zu tun haben will. Heilung und einen Reifungsprozess werden wir aber nur dann erfahren, wenn wir bereit sind, uns mit dem Verlust und dem Scheitern, mit unseren eigenen Anteilen, wenn wir sie sehen können, versöhnen. Das kann und darf Jahre dauern. Aber erst wenn man im Stande ist, das Vergangene realistisch zu betrachten, und bereit wird, die Verantwortung für den eigenen Anteil zum Ende der Beziehung zu übernehmen, können wir auch den Regenbogen – wie nach einem Gewitter – am Horizont sehen. Ein Regenbogen, der nach langen Zeiten der Trauer und des Abschiednehmens Wachstum und Reife für unser Leben gebracht hat.