Ausgabe: 1999/38, Glaubenskrieg, Zur Sache, Schwangerschaft, Frau, Frauen
21.09.1999
- Hans Baumgartner
Steigt die Kirche Deutschlands mit ihren 264 Beratungsstellen aus der staatlich anerkannten Schwangeren-Konfliktberatung aus? Gibt es einen anderen Ausweg, um der neuerlichen Weisung des Papstes Folge zu leisten? Oder zerbricht in dieser Frage die Einheit der Bischofskonferenz? Bei Redaktionsschluß gab es auf diese Fragen noch keine Antwort. Der Limburger Bischof Franz Kamphaus sprach sich im Vorfeld der Bischofskonferenz dafür aus, daß die Kirche im staatlichen System der Konflikt-Beratung verbleibe. „Was wir hier tun“, so Kamphaus, „ist wirklicher Einsatz für das Leben. Wir tun, was wir können, um zu retten, was zu retten ist. Jeder, der da mitarbeitet, ist ein Lebensschützer.“ Kamphaus wandte sich damit entschieden gegen konservative Parolen, die kirchlichen Beratungsstellen vorwerfen, „Tötungslizenzen“ auszustellen. Der Limburger Bischof weiß, wovon er redet, wenn er sich für den Verbleib in der staatlichen Konflikt-Beratung ausspricht. Tagelang hat er mit Beraterinnen und mit Frauen, die mit einer Konflikt-Schwangerschaft konfrontiert waren, gesprochen. Er weiß, wie viel Hilfe hier geleistet wird, wie viel Ermunterung für ein „Ja zum Leben“, auch in aussichtslos scheinenden Fällen. Kamphaus kennt aber auch die theologische Problematik, denn er führte auch sehr offene Gespräche mit Frauen, die trotz Breatung und Hilfsangebot abtreiben ließen – mit einem Beratungsschein aus einer kirchlichen Stelle. Dennoch ist Kamphaus zutiefst überzeugt: „Diese Frage eignet sich nicht für einen Glaubenskrieg.“