Eher zuhören als nur etwas „hinüberbringen“ wollen. So kann Kirche auch für Menschen heute zu einer wichtigen „Andockstelle“ werden.„Wir brauchen das Reich Gottes nicht heraufzuführen, wir haben schon genug damit zu tun, wenn wir es nicht zu sehr behindern!“ Die humorvolle Bemerkung eines Dechanten bei der Dechantenkonferenz am 15./16. September im Bildunghaus Puchberg bringt zum Ausdruck: Von zu großen Erwartungen werden die Seelsorger Abschied nehmen müssen. In die Gegebenheiten ein „Kirche im Gegenwind“ ließen sie sich von zwei Frauen – der Soziologin Mag. Vera Francz und Dr. Christine Haiden, Chefredakteurin von „Welt der Frau“, – einführen. „Kirche scheint im Empfinden der Leute momentan etwas für ältere Menschen zu sein“, meinte Francz. Konfessionslosigkeit nimmt zu, der Kirchenaustritt hat den Tabu-Charakter verloren. In den Pfarren ist es schwer, für regelmäßige Dienste – besonders an Sonntagen – Leute zu finden.Wie die Kirche für Menschen „Andockplätze“ schaffen kann, darüber diskutierten die Dechanten. Vor allem an den einschneidenden Stellen des Lebens erwarten die Leute immer noch viel von der Kirche. Wir sollten nicht zu viel nach dem Wie und Warum fragen, meinte ein Dechant. Viel mehr sollte man den Menschen respektvoll begegnen, auch jenen, die nur gelegentlich zur Kirche stoßen. Pfarrgemeinden sollen offen und einladend sein. Situationen, in denen Menschen die Kirche brauchen, sollten nicht übersehen werden. Der Gegenwind könnte dann auch zum Aufwind werden.Einen besonderen Akzent kündigte Bischof Maximilian Aichern vor den Dechanten für die Fastenzeit des kommenden Jahres 2000 an. Es soll dabei, so Rektor Ernst Bräuer, die „spirituelle Kompetenz“ der Kirche besonders zum Ausdruck kommen. In der Fastenzeit 2000 will man vor allem spirituelle Zeiten anbieten, im Jahr darauf wird man „spirituelle Orte“ in den Vordergrund stellen. So soll auch für die Oberösterreicher/innen das „Heilige Jahr 2000“ zu einem „Ereignis des Herzens“ werden, wie es der Mailänder Kardinal Martini formuliert hat.