Wer die kleinen Wege seines Lebens gut abzuschließen vermag, wird auch das Ende des ganzen Lebensbogens besser annehmen können.
Was auf den Feldern noch steht, zeigt in diesen Tagen die Zeichen des Endes einer Vegetationsperiode. Die Zeit des Wachsens ist vorüber, jene des Erntens weit fortgeschritten. Jeder Weg endet zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort. Wie ein Weg zu Ende geht, vermögen Menschen nicht immer nach Wunsch zu gestalten. So haben Menschen Angst vor dem Ende. „Betagt und lebenssatt“, so heißt es von Abraham, ist er gestorben (Gen 24, 8). Diese Sattheit an Leben meint eine Zufriedenheit. Der Tod schneidet das Leben nicht einfach ab, er rundet es ab, macht es so erst ganz. Aber wie Abraham stirbt nicht jeder. Da werden Menschen aus der Blüte des Lebens gerissen. Keine Spur von abgerundet! Der Tod reißt Wunden. Nicht Frieden bringt er, mit Gewalt bricht er herein und bringt das Leben zum Bluten. Das Ende eines Weges annehmen zu können, ist eine Kunst. Wer die kleinen Wege seines Lebens gut abzuschließen vermag, wird auch das Ende des ganzen Lebensbogens besser annehmen können. Man kann sich nicht einfach hinwegturnen über die Gebrechlichkeit des Alters. Das Bemühen, sich möglichst jung zu zeigen und die Spuren des Schwächerwerdens zu verstecken, zeugt von der Angst: Bin ich noch attraktiv genug, wird man mich lieben? In aller Frische, schnell und schmerzvoll zu sterben. So wünschen sich Menschen das Ende des Lebensweges. Leicht hingesagt ist es, aber ist es auch ernst gemeint? Die Rede von der „Sterbehilfe“ verdrängt die Frage nach einer Lebenshilfe, die auch im Sterben dem Menschen seine Würde lässt.
Satt an Jahren oder mit der Traurigkeit, weil einer gerne noch gelebt hätte. Niemand weiß, wie sein Ende kommt. Ein Fallen ins Leere? Ein Gehen in die Fülle? Ob die Glaubenshoffnung zu tragen vermag? Vielleicht würde das Ende des Weges Menschen leichter fallen, wenn die Erfahrung der Sterbenden nicht immer mehr hinausgesperrt würde, delegiert an Ärzte, Schwestern und Krankenseelsorger. Ein Weg ohne Ende ist auch ein Weg ohne Ziel.