Konflikte ohne Stress: Der gute alte Gordon feiert ein Comeback
Ausgabe: 1999/39, Gordon, Kolnberger
28.09.1999
- Maria Haunschmidt
Die Erziehungsprinzipien und Leitlinien des amerikanischen Pädagogen und Psychologen Thomas Gordon sind alt, aber gut – und sehr hilfreich für stressfreies Zusammenleben.
Deshalb feiern sie an der Jahrtausendwende nach jahrelangem Dahinschlummern ein erfreuliches Comeback – in vielen Bildungsveranstaltungen. „Mit Kindern richtig reden – aber wie? Weniger Konflikte. Mehr vom Leben“, so lautete das Thema eines sehr gut besuchten Gordon-Vortrages im Mühlviertler Ort Walding.„Es geht um eine demokratische Kommunikation, um Gesprächsführung, die von gegenseitigem Respekt getragen ist!“, fasste Referentin Mag. Ingrid Kolnberger die Grundlagen zusammen.
Sie ist selber vor drei Jahren zum Gordon-Familientraining gestoßen und wendet es in ihrer Familie und Umgebung erfolgreich an. „Meine Kinder wurden ruhiger, verständnisvoller und viele kleine Probleme haben sich in Luft aufgelöst“ erzählt die HAK-Lehrerin begeistert.„Um die Kinder für das Leben heute stark zu machen, müssen wir bereit sein dazuzulernen!“, ermunterte sie Eltern, die selber noch mit einem anderen Erziehungsstil aufgewachsen sind.
Probleme fair lösen
Anhand einiger Übungen war deutlich erkennbar, wie respektlos, ja manchmal Menschen verachtend Erwachsene auf Gefühle der Kinder reagieren, etwa wenn das Kind voll Stolz seinen Sandkuchen zum Herzeigen ins Haus trägt und es angeschnauzt wird. Oder es will absolut nicht in den Kindergarten gehen. Anstatt nun die wahren Gründe aufzuspüren, blicken wir durch die Brille der mächtigen Erwachsenen und wollen es auf unsere Art mit verschiedenen Methoden „zurechtbiegen“. Interessant in dem Zusammenhang: Lautstärke und Gestik haben meist eine viel stärkere Wirkung als der Inhalt.
Das Beispiel zählt
Statt sofort eine Abqualifizierung, einen Ratschlag, einen Tipp, eine Analyse parat zu haben, ist es sinnvoller zunächst aktiv zuzuhören, hinzuhorchen, sich selbst mit Botschaften zurückzuhalten, bis das Gegenüber alles erzählt oder ausgedrückt hat. Nun ist klares Ansprechen als ehrliche „Ich-Botschaft“ („Ich sehe das so!“) angesagt – dies fordert Gegenrede und Stellungnahme heraus! Am Beispiel Geschwisterstreit lassen sich die Gordon-Prinzipien besonders gut einüben. Eltern sollen vermitteln, anstatt Partei zu ergreifen – außer es geht um eine echte körperliche Gefährdung des schwächeren Kindes. (Eltern von Wildfängen wissen sicherlich, was gemeint ist!) „Schon Kleinkinder können lernen, auf den anderen zu hören und Konflikte fair auszutragen!“, ist ein Gordon-Prinzip. Wenn man die von Respekt auf die Gefühle anderer getragenen Verhaltensweisen vorlebt und immer wieder im Familienalltag übt, findet das Kind bald selbst Lösungen und wird selbständiger, selbstbewusster und letztendlich bestens gestärkt für die Anforderungen des Lebens. Die Gesprächstechniken lassen sich durch den Besuch eines Gordon-Familientrainings vertiefen und einüben.
Kontaktadresse für Interessierte an vertiefenden Gordon-Seminaren (jeweils zehnmal drei Stunden) – in allen Bundesländern sowie in Südtirol möglich: Gordontraining Österreich, Gleichenberger Straße 10/2, 8330 Feldbach, Telefon 03152/3000. Ein Kurs beginnt am Mi., 6. 10., 19 Uhr, in Walding. Tel. und Fax 07234/85052.