Sara ist knapp zwei Jahre alt, das vierte Kind ihrer Eltern, eine Nachzüglerin. „Sie war so lieb und anschmiegsam“, meint ihre Mutter, „und jetzt ist sie die Schlimmste von allen. Sie ist wie ausgewechselt!“ Seit drei Wochen gibt es in der Familie Lisa, eine quiekende kleine Maus. Sara würde es so ausdrücken: „Den ganzen lieben langen Tag heißt es jetzt: ,Sara, gib’ Ruh’! Sara, hau ihr nicht das Bilderbuch auf den Kopf! Sara geh weg!’ Wenn ich dann aber wirklich weglaufe, reagiert Mama erst recht völlig unverständlich. Nicht, dass sie mir, wie früher, lachend nachläuft und mich dann an sich drückt. Ganz im Gegenteil: Sie nennt mich ein böses Kind; und als ich kürzlich das Bilderbuch statt auf Lisas Kopf beim Balkon hinuntergeworfen habe, hat mich Mama sogar an den Ohren gezogen.“ Daniel war schon älter als Sara, als sein Bruder anrückte, und schon ein recht vernünftiger Bursche. Aber, dass ab diesem Zeitpunkt auch er wieder Fläschchen und Windeln bekam, setzte er eisern durch. Und die kleine Christina, selbst erst ein Jahr alt, verweigerte jede Nahrungsaufnahme, als die Mutter zur Geburt des zweiten Kindes ins Krankenhaus ging. Anschließend musste sie mit der Einjährigen ins Kinderspital, wo diese mit künstlicher Ernährung am Leben gehalten wurde. Es ist ein harter Überlebenskampf für ein Kleinkind und eine schwere Lektion in der Schule des Lebens, seine Position zu wahren, wenn einem ein nachrückendes Geschwisterchen aus der Bahn zu werfen droht; aber noch schlimmer ist es oft, dass verständnislose Eltern von den zutiefst verunsicherten „Großen“ auch noch erwarten, dass sie sich darüber freuen sollen!