Bis vor kurzem war Robert Kaspar Pastoralassistent in Bad Ischl. Seit Mitte September erlernt der gebürtige Steyrer in Ansfelden den Bäckerberuf.„Nach vielen Jahren Schule, Studium und Ausbildung habe ich gespürt, dass ich nicht nur ein Hirn besitze. Zu mir gehören auch zwei Hände, die bisher ziemlich unterbeschäftigt waren“, begründet Kaspar seine Entscheidung. Während des Studiums habe er einmal von den Jesuiten gehört, die angeblich früher nicht nur ein Studium, sondern auch eine Handwerkslehre absolvierten.
Der Gedanke ließ ihn nicht mehr los. Und weil er zu Bäckereien ein ähnliche Nähe spürt, wie andere junge Männer zu Autowerkstätten, wurde die zufällige Begegnung mit einem Brotausführer im letzten Winter zum Beginn seines Berufswechsels.
Helmut Gragger, beliebter Bio-Holzofenbäcker und Kaspars neuer Chef, stimmte dem Lehrvertrag vor allem deshalb zu, weil Robert auf Grund seines Alters auch Nachts arbeiten darf. Leicht fällt es dem Theologen freilich nicht, am späten Abend zur Bäckerei in der Ansfeldener Scharmühle zu radeln: „Die Nachtarbeit setzt mir ziemlich zu. Ich spüre, wie mein Lebensrhytmus wackelt.“
Jede Woche besucht Robert Kaspar die Berufsschule. Mit 17-jährigen Kollegen sitzt er in der Klasse, auch im Religionsunterricht, den eine Studienkollegin erteilt. Weil er ins 2. Lehrjahr eingestiegen ist, sind Kollegen im Praktischen oft voraus. „Das Gefühl, nichts zu können, drückt nieder“, sagt er. Doch der Entschluss hält.
Robert Kaspar bäckt mit eigenen Händen Brot. Für ihn hat das auch tiefe Bedeutung: „Ich möchte zu einem guten, vernünftigen und dankbaren Umang mit Lebensmittel beitragen. Denn einerseits vergötzt unsere Zeit Lebensmittel, andererseits geht sie verächtlich und sorglos damit um.“