Die österreichische Caritas will 2300 zerstörte Häuser im Kosovo bis Anfang November winterfest machen. Trotz mancher Probleme meint CaritasPräsident Franz Küberl nach einem Besuch: „Die Schäden an Häusern sind schneller repariert als jene in den Seelen.“
Seit Wochen läuft im Kosovo die Aktion „Winterfest“. Finanziert wird das Wiederaufbauprogramm der österreichischen Caritas von „Nachbar in Not“. Geholfen wird in den Regionen Istok bei Pec, in Suva Reka und südlich von Prizren. Ohne die Zusammenarbeit mit Pionieren der deutschen Bundeswehr und mit dem Roten Kreuz wäre diese rasche Hilfsaktion undenkbar, betonte Caritas-Präsident Franz Küberl. Ziel der Caritasaktion ist es, dass möglichst viele Familien ein dichtes Dach über dem Kopf und wenigstens ein bewohnbares, winterfestes Zimmer haben.
Fast täglich rollen die schweren Laster des Pionierzuges der deutschen KFOR-Einheit die engen, unbefestigten Bergstraßen oberhalb von Suva Reka hinauf. Sie liefern Dachziegel, Bauholz, Zement, Ersatzrohre für die Wasserleitungen und Stromkabel. Die Zeit drängt, denn der Winter in den Bergen kommt früh. Die Soldaten wissen es und legen eben die Ketten an, wenn sie nach schweren Regengüssen auf den verschlammten Straßen nicht mehr weiterkommen. 40 Lkw-Ladungen pro Woche sind notwendig, damit die am schlimmsten betroffenen Familien ein winterfestes Dach über dem Kopf bekommen.
Ohne die Caritas und die Pioniere würde in dieser Bergregion das nackte Elend herrschen. Auch so ist der Wiederaufbau schwer genug, da es in den Dörfern kaum mehr Männer gibt. Sie wurden von der serbischen Soldateska ermordet, als man die Orte in den Bergen nach UCK-Kämpfern durchgekämmt hat. In der Region Istok haben die Tiroler Caritas-Mitarbeiterin Sabine Wartha und der oö. Rot-Kreuz-Mann Klaus Schopfenhagen die Ärmel aufgekrempelt, um auf oft abenteuerliche Weise Baumaterial zu beschaffen und den Wiederaufbau koordiniert zu starten.
Der Handel beginnt wieder
Das Gebiet um Istok, aus dem zwei Drittel der Vertriebenen im ehemaligen Österreich-Camp in Shkodra stammten, gilt als schwerst zerstörte Zone. Hier befindet sich auch das Heimatdorf Ibrahim Rugovas, der viele Jahre den gewaltfreien Kampf der Kosovoalbaner um Autonomie angeführt hat. Das Dorf wurde dem Erdboden gleichgemacht.Für die konkrete Hilfe hat das Österreicher-Team ein ausgeklügeltes System entwickelt, um auch den lokalen Markt mit aufzubauen. Nach der Begutachtung ihrer Häuser durch ein Techniker-Team erhalten die Familien neben der Zuteilung von Baumaterialien aus dem „Nachbar-in-Not“-Bauhof auch Einkaufsbons für Vertragshändler in den größeren Orten. Die Händler müssen sich im Gegenzug verpflichten, die vereinbarten Preise einzuhalten.
Bewusst hilft die Caritas in der Region auch den (wenigen) verbliebenen serbischen Familien in den beiden Dörfern Cerkoles und Suvo Grlo. Wegen der andauernden Gefahr von Racheakten müssen die serbischen Häuser bewacht werden. „Wir wollen damit auch ein Zeichen gegen den zerstörerischen Hass setzen und zeigen, dass ein Neubeginn dort möglich ist, wo im Namen der Menschlichkeit Grenzen überwunden werden“, betont Küberl.