Über 70 Prozent Befürworter für Sterbehilfe auf Verlangen weisen Meinungsumfragen aus. Wenn das Sterben näher rückt, sieht das anders aus.
In den weitaus meisten Fällen wollen unheilbar Kranke in Menschenwürde sterben dürfen, auch wenn sie in gesunden Tagen anders darüber gedacht haben. Der Wunsch, daß es schnell und schmerzlos geht, gründet oft in der Angst, jemandem zur Last zu fallen. Wirkliche Sterbehilfe bedeutet, sich Zeit für die Kranken zu nehmen und die bestmögliche Hilfe in der Schmerztherapie zu ermöglichen. Das war die Hauptbotschaft eines Podiumgesprächs zum Thema Euthanasie im Rieder St.Franziskushaus am 7. Oktober 1999. Der Innsbrucker Moraltheologe Dr. Manfred Rotter und der Linzer Bestrahlungsarzt Dr. Johann Zoidl warnten vor oberflächlichen Schlüssen beim Thema. Der Wunsch, endlich sterben zu dürfen wäre noch lange kein Wunsch nach der erlösenden Spritze. Ärzte, Seelsorger und Psychologen müßten viel stärker zusammenwirken, um Kranken und ihren Familien wirklich helfen zu können. Mag. Traute Friedrich von der Hospizbewegung Oberösterreich betonte das Anliegen, Sterben mit allen denkbaren Hilfen verstärkt daheim zu ermöglichen. „Es gibt 85-jährige, die noch nie beim Sterben eines Menschen dabei waren, – kein Wunder, daß sie vor dem eigenen Sterben solche Angst haben“, meinte eine Teilnehmerin.