Zu einem Dorf gehört eine Kirche. Dass Dörfer auch eine Gemeinschaft darstellen, ist keine Selbstverständlichkeit. Oft sind es die Pfarren, die sich um Dorfgemeinschaft bemühen.
Eine Pfarre, in der die Kirche für die Gemeinschaft eine große Rolle spielt, ist Maria Neustift. Hier sind seit neuestem die Bagger am Werk: Gleich neben dem Pfarrhof, der gerade renoviert wird, soll ein neues Pfarrheim entstehen, das „Haus der Dorfgemeinschaft“.Der Umbau des alten Pfarrheims wäre zu teuer gewesen. In Maria Neustift sehen die Menschen das als Chance, eine neue Mitte im Dorf zu schaffen.Durch den Abbruch des Hauses steht der Pfarrhof wieder freier da. Das Pfarrheim war zwischen Pfarrhof und Kirche „eingezwickt“ worden, das „Haus der Dorfgemeinschaft“ entsteht auf der anderen Seite des Pfarrhofes. Den Platz, der entsteht, werden die Menschen bestimmt durch neue Aktivitäten beleben.Der Verein „Haus der Dorferneuerung.– Verein zur Förderung und Pflege ländlicher Dorfentwicklung“ entstand in der Diskussion zur Durchführung des Projekts. Der Verein kann auch EU-Förderungen ausschöpfen. Auch wenn das Haus fertig sein wird, will man die Wertschöpfung in der Region halten – geplant ist eine Hackschnitzelheizung, die eine Kooperation von Bauern in Maria Neustift betreiben wird.Für die Nutzung des neuen Hauses gibt es viele Pläne: Bücherei, Jungschar und Jugend werden genauso Platz finden wie Vereine und Gruppen, die das Haus für Veranstaltungen nutzen können. Schüler der Landwirtschaftlichen Fachschule Kleinraming erstellen in einem Projekt ein Konzept zur wirtschaftlichen Nutzung.„Wir erwarten uns neue Impulse für unseren Ort“, meint Pfarrer Franz Wimmer. „Es soll ein Zentrum für Veranstaltungen werden, in dem auch Platz für Menschen aus anderen Pfarren ist.“ Dass die Menschen in Maria Neustift nicht lange reden, sondern zupacken, zeigt sich auch an der Arbeitszeit, die sie bisher für die Pfarrhof-Renovierung geleistet haben: An die 2000 Robotstunden sind vermerkt.
Dezentrale Kirche
Eine andere Möglichkeit, Dorfgemeinschaft zu fördern, sind Dorfabende, die manche Pfarren organisieren. Sie vermitteln damit lebendige religiöse und gesellschaftliche Kultur außerhalb der Zentren und sollen außerdem Kirche im unmittelbaren Lebensraum und überschaubarer Größe erlebbar machen.Ein Beispiel dafür ist Peuerbach, eine Pfarre mit 73 Ortschaften und 1700 Haushalten. In den nächsten zwei Jahren sind Dorfabende geplant, die unter dem Motto „Christsein gestern, heute und morgen“ stehen. Sie sind ähnlich organisiert wie in Gallneukirchen, wo die Abende ebenfalls in Gastfamilien abgehalten werden. In der Pfarre Gallneukirchen hat man schon länger Erfahrung mit Dorfabenden. In diesem Jahr lautet das Motto für die „dezentrale Kirche“ „Caritas – gelebte Liebe“.