Das unbekannte Land, wo man heute noch die Sprache Jesu spricht
Ausgabe: 1999/42, Tur Abdin, Hollerweger, Türkei
19.10.1999
- Elisabeth Leitner
Seit 10 Jahren bemühen sich die „Freunde des Tur Abdin“ nach Kräften ein Fleckchen Erde bei uns bekannt zu machen.
Der Tur Abdin – der heilige Berg der syrischen Kirche – liegt im Südosten der Türkei nahe der syrischen und irakischen Grenze. In diesem hügeligen Hochland mit großteils kurdischer Bevölkerung sind noch einige christliche Dörfer zu finden, die jedoch in ihrer Existenz bedroht sind. Bedingt durch die schlechte wirtschaftliche Lage und die lang andauernden Auseinandersetzungen zwischen Türken und Kurden ist die Zahl der dort lebenden Christen auf 2500 geschrumpft. Die christlichen Gläubigen der syrischen Kirche verwenden in der Liturgie noch die Sprache Jesu, im Alltag spricht man „Turoyo“, eine Umgangssprache von Aramäisch. Kulturell betrachtet birgt der Tur Abdin wertvolle Baudenkmäler: Klosterkirchen, Kirchenanlagen und manch kostbare Handschrift aus längst vergangenen Tagen (ab dem 5. Jahrhundert). Dieses kulturelle Erbe ist bei uns nur „Spezialisten“ bekannt. Der Verein „Freunde des Tur Abdin“, der in der Kath.-Theologischen Hochschule in Linz angesiedelt ist und 750 Förderer zählt, möchte den Tur Abdin einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Das neu erschienene Buch liefert dazu einen wertvollen Beitrag.