Viele Kinder bekommen heute alles – und meist sofort – im Übermaß. Trenduhr, Cyber-Spiele für die Play-Station, Marken-Kleidung, Gameboy, Diddles in allen Variationen, ein Handy, ... „Weil es alle haben, und weil ich dazugehören will!“ erklärt der Oberstufenschüler Peter, warum er gern bestimmte Kleidung trägt. Seinem Freund Chris sind andere Werte wichtiger.Alexandra glaubt, dass „Markenzeugs“ ohnehin nicht mehr so wichtig sei, seit mit den Billiganbietern modischer Kleidung Trendiges erschwinglich geworden ist. Sie erzählt aber auch, ihre kleine Schwester wurde gehänselt, weil sie nie „superne Sachen“ – gemeint waren hochmodische Sachen – anhabe. Es liegt im Trend der Zeit, dass sich schnell aufflammende Moden verschiedenster Art in Schulklassen innerhalb kürzester Zeit wie ein Lauffeuer verbreiten, von Plateauschuhen bis zur Pickerl- und Tatoo-Manie. Dass der Computer immer mehr zum Alltagsgegenstand auch jüngerer Kinder wird, ist nicht aufzuhalten, aber müssen Pflichtschulkinder ein eigenes Handy haben? Die Geister scheiden sich da, wo Eltern und Verwandte – oft gibt es weit und breit nur ein einziges vergöttertes Kind in Familien – immer und sofort den Wünschen der Kinder nachgeben. Sie setzen damit auch andere Kinder bzw. deren Eltern unter Druck, die finanziell nicht mittun können oder auch nicht wollen. „Warum sollte ich eine neue Schultasche kaufen, nur weil eine Diddlemaus drauf ist, obwohl die alte noch ganz gut ist ?“ fragt Veronika, Mutter dreier Kinder. Der Diddl-Maus-Virus geht seit Monaten in den Schulen um – es wird nach wie vor auf Teufel komm raus gekauft und getauscht. Wird Plüschstar Flat Eric die neue Kultfigur?Kleine Sportler haben zusätzliche Vorlieben: Mini-Kickers fahren auf Fußballleibchen mit Namen von Vereinen und wechselnden Idolen und natürlich auch auf entsprechendes anderes Outfit ab. Auch Sport-Wears für Trend-sportarten wie Snowboarden und Inline-Skaten lassen die Kassen klingeln.
Wert der Statussymbole
Die Familientherapeutin Dr. Martha Schicho, der das Problem der Modeabhängigkeiten öfters in der Beratung unterkommt, meint, Eltern müssen glaubwürdig bleiben und einmal ihre eigenen Statussymbole hinterfragen. Grenzen setzen Eltern am besten, indem sie dem Kind vorleben, dass man nicht alles haben muss.
Überlegungen dazu:
– Haben die Kinder in irgendeiner Weise Probleme, fühlen sie sich benachteiligt z. B. in der Geschwisterreihe, und wollen sie Minderwertigkeitskomplexe mit der Kleidung kompensieren?
– Steht hinter dem Wunsch dem Kind alles zu bieten, vielleicht, dass sich Eltern aus schlechtem Gewissen freikaufen möchten, weil sie zu wenig Zeit für ein gutes Familienleben haben?
– Das Warten und Erwarten ist eine gute Lebensschule für kleine und große Konsumkids von heute, zum Beispiel, wenn das Kind Ersehntes erst zum nächsten Geburtstag, Namenstag oder zu Weihnachten geschenkt bekommt und nicht sofort.
– Kinder, die in die Aufteilung des Familienbudgets ihrem Alter entsprechend Einblick haben, gehen sorgsamer mit den Finanzen um. Eigenes Ansparen und Mitzahlen hat den Sinn, dass sie dann auch besser auf die Sachen aufpassen.
– Welche Wertigkeiten zählen in der Familie? Da, wo das Kind daheim in Liebe und Geborgenheit eingebettet ist und nicht nur mit materiellen Liebesbeweisen überschüttet ist, hat es genug Selbstbewusstsein neuen Trends mit Abstand gegenüberzustehen.
– Gute Eltern zeigen sich vor allem durch Zuwendung, Hinhören, Zeitnehmen, Miteinander-Reden, -Lachen, -Blödeln und durch Gemeinsamkeiten, die zählen, z.B. einen gleichaltrigen Freund ins Kino mitnehmen, Zeit für ein Spiel und dergleichen. Dr. Martha Schicho: „Glückliche und selbstbewusste Kinder brauchen nicht ständig Selbstbestätigung durch Moden!“