Kirchtürme sind in letzter Zeit besonders interessant – nicht etwa für Architektur-Liebhaber oder für „beflügelte Bewohner“, sondern für Betreiber von Handy-Netzen.
Tatsächlich gibt es bereits zahlreiche Pfarren in der Diözese, die ein Angebot einer Betreiber-Firma bekommen haben.Dass die Entscheidung für oder gegen „Handy-Sender“ im Kirchturm nicht leicht fällt, zeigt sich am Beispiel der Pfarre Wels/Heilige Familie (Vogelweide). Dort stellte vergangenen Mittwoch ein Messungs-Team die Strahlenwerte fest. Aus den Ergebnissen soll ersichtlich werden, ob die Strahlungen gefährlich für Menschen sind oder nicht.Der Pfarrgemeinderat hatte sich ursprünglich für die Sendeanlage entschieden. Die Anlage wurde bereits im Kirchturm installiert, sie ist aber nicht in Betrieb, weil eine Bürgerinitiative große Bedenken geäußert hat. Nun möchte man die Ergebnisse der Untersuchung abwarten.In der Pfarre Taiskirchen hatte der Pfarrgemeinderat für die Sendeanlage gestimmt, doch dann haben besorgte Anrainer Unterschriften dagegen gesammelt. Vertreter der Betreiber-Firma, des Pfarrgemeinderates und der Gegner des Senders werden zusammenkommen und gemeinsam über die Sachlage beratschlagen.
Grundstück als Kompromiss
Die Kompromiss-Lösung, einen Masten auf einem Pfarrgrundstück zu errichten, funktioniert laut Betreiber-Firma nicht, weil der Ort in einer Senke liegt.In Engelhartszell hat sich der Pfarrkirchenrat für den Sender entschieden. „Wir haben auch mit Nachbargemeinden gesprochen“, erklärt Pfarrer Jaroslaw Niemyjski, „dort gibt es keine Aufregung.“ Doch einige Anrainer hoffen, dass in Engelhartszell das letzte Wort zum „Handy-Sender“ noch nicht gesprochen ist.Der Pfarrgemeinderat Weyer hat einstimmig gegen die Errichtung einer Sende-Anlage gestimmt. Ein zusätzlicher Grund zur Sorge der Mitglieder war, „dass die Betreiber-Firma komisch agiert hat“, wie Pfarrer Karl Lindner erklärt. Die Höhe der angebotenen Miete stieg von 20.000 Schilling und ein paar Handys bis auf 70.000 Schilling im Jahr.Der Pfarrer hatte auch Bedenken, weil ein Bauer, dessen Hof sich etwa 50 Meter entfernt befindet, bereits das Angebot eines Betreibers abgelehnt hatte, weil er Berichte über Missbildungen bei neugeborenen Tieren kannte, die auf den Einfluss von Sender-Strahlen zu führen sein sollen.Dr. Edeltraud Buchberger vom Arbeitskreis Ökologie der Diözese mahnt zur Vorsicht, weil die Auswirkungen der Strahlung noch nicht erforscht sind. „Man sollte auch daran denken, dass Kirchen Sakralbauten sind und sie nicht vermarkten“, meint Buchberger. Als Kompromiss schlägt sie vor, ein Pfarr-Grundstück zur Verfügung zu stellen.