Wichtige Informationen für die Kirchenzeitung liefern jene österreichischen Ordensleute, Laien und Priester, die an vielen Orten der Weltkirche im Einsatz sind. Aus Westtimor schreibt der Steyler-Missionar Gebhard Lässer:
Gleich einem Orkan hat in der ersten Septemberhälfte ein politischer Sturm über Osttimor hinweggefegt und Spuren der Verwüstung hinterlassen. Was bereits vorauszusehen, ist mittlerweile katastrophale Wirklichkeit geworden. Einige Tage nach der Volksabstimmung über die Zukunft Osttimors (30. August) war es, als wäre in Osttimor die Hölle. Die Bevölkerung wurde vertrieben, geplündert, gefoltert, zum Teil ermordet und viele Häuser in Brand gesteckt. Zustände, wie sie vor wenigen Monaten noch im Kosovo der Fall waren.Es war eine panikartige Flutwelle von Flüchtlingen, die auf uns in Atambua und dem übrigen Grenzgebiet von Westtimor hereingebrochen ist. Viele kamen mit leeren Händen, nur mit den Kleidern am Leib. Andere hatten einige Habseligkeiten mitgebracht. Nun sind die Leute da und müssen zu essen bekommen, um zu überleben. Sie brauchen auch ein Dach über dem Kopf. In einem Monat wird die Regenzeit beginnen, dann wird das Elend noch größer. Rund 150.000 Flüchtlinge sind im Umkreis von 60 Kilometern verteilt. Alleine auf unserem Missionsgelände haben 1200 Flüchtlinge Unterschlupf gefunden. In und um das Haus herum ist es voll. Es sieht aus wie auf einem Campingplatz.Vor 10 Tagen sind die ersten UN-Friedenstruppen in Osttimor eingetroffen, aber auch sie haben noch Zeit nötig, bis sie die Lage beherrschen. Anschließend wird man sehen, wie es weitergeht. In erster Linie ist Ruhe und Ordnung das Wichtigste. Ich bin überzeugt, dass noch auf längere Zeit gegenseitige Feindseligkeiten ausgetragen werden.