Geliehene Omis mit Herz stehen bei Familien besonders hoch im Kurs
Ausgabe: 1999/43, Leihoma
27.10.1999
- Maria Haunschmidt
Was täten wir ohne Leihoma? Sie ist ein Goldschatz und unsere Kinder mögen sie sehr – so Familie Bäck, die zwei Kinder hat.
Der Leihoma-Dienst – inzwischen schon im ehrwürdigen Silberjubiläumsalter, da er vor mehr als einem Vierteljahrhundert von Wien ausgehend die Bundesländer erobert/e, wird mit zunehmender Berufstätigkeit beider Eltern immer wichtiger. Oma-Hilfs-Dienste werden von verschiedenen Organisationen angeboten. Die eigenen Großeltern wohnen weit weg oder sie sind selber noch berufstätig bzw. auch nicht immer willens und bereit, jederzeit auf Abruf für Babysitterdienste da zu sein. Es ist ein Glücksfall, stundenweise eine verlässliche Betreuungsperson für die Kinder bei der Hand zu haben. Ganz bewusst wünschen viele Familien erfahrene Frauen zum Babysitten. Da gibt es einerseits Eltern, die jemand für ihr Kind brauchen, der mit ihm spielt, ihm vorliest oder spazieren geht. Oft haben Väter und Mütter, besonders auch Alleinerziehende durch Terminüberschneidungen Probleme Beruf und Kinder unter einen Hut zu bringen. Andererseits sind da rüstige Pensionistinnen, die Zeit haben ... ein kostbares Potential.
Mehr Omas gesucht
Leider gibt es zu wenig mütterliche Frauen ab etwa 45, die sich Betreuungsaufgaben zutrauen oder „antun“ möchten. Es gibt mehr Eltern, die eine Leihoma suchen, als Frauen, die sich melden. „Schade!“, findet Elfriede Wukonig. Sie vermittelt für den Kath. Familienverband der Diözese Linz Leihomas. Die Erfahrung zeigt, dass Kinder Schwung in das Leben von Seniorinnen bringen. Viele Leihomas finden auch Familienanschluss. Frau Wukonig ermöglicht die ersten Treffen, „ein Beschnuppern“ von Familie und Leihoma, so dass beide testen können, ob „die Chemie stimmt“.In der Familie Bäck heißt die Leihoma „Tante Maria“, um Loyalitätskonflikte mit deren leiblichen Enkelkindern zu vermeiden. „Leihtante Maria“ gehört wie ihre Freundin „Oma Veronika“ zu den Vorzeige-Leihomas: Sie geben gern ihre Lebenserfahrungen weiter, sie blühen durch den Kontakt mit den Kindern richtig auf, und ihre Enkelkinder spielen auch manchmal mit den „Leih-Kindern“.
Reich werden kann man durch die Kinderbetreuung nicht, aber die Pensionskasse lässt sich etwas aufbessern. ´
Leihoma wofür und warum?
- Eltern werden bei der Kinderbetreuung durch Leihomas entlastet. Häufig leben die richtigen Großeltern zu weit entfernt, oder sie möchten nicht ständig eingeteilt sein. > - Alte Menschen haben viel Erfahrung und können Spannendes von früher erzählen. Und die junge Generation hat einen bereichernden Kontakt mit älteren Menschen. - Jeder braucht das Gefühl, gebraucht zu werden. Plötzlich werden die Wehwehchen bei Senioren viel kleiner, weil man gar keine Zeit hat dafür. Das Leben bekommt einen Aufschwung.
Wer als Leihoma arbeiten möchte oder eine Oma für seine Kinder sucht, erhält Infos bei folgenden Stellen:
- Tirol: Verein „Rettet das Kind“, 0512-20 24 13, Frau Barbara Hellweger.