Vor einem Jahr fand in Salzburg die Delegiertenversammlung zum „Dialog für Österreich“ statt. Von „einem wertvollen Kapital, das nicht verspielt werden darf“, sprach damals nicht nur Kardinal Christoph Schönborn.
„Es wird sehr wesentlich von der kommenden Bischofskonferenz Anfang November abhängen, ob der ,Dialog‘ als gesamtösterreichischer Prozess noch eine Zukunft hat oder nicht“, meinte der Präsident der Katholischen Aktion Österreichs, Christian Friesl. Weihbischof Alois Schwarz, der ehemalige Chefkoordinator des „Dialogs für Österreich“, wagt keine Prognose, welche Signale von Bischofskonferenz kommen werden. Er hoffe, so Schwarz, dass einige der zehn Projektgruppen zur Weiterarbeit am Dialog End- oder Zwischenberichte vorlegen werden. Ob und wie diese von der Bischofskonferenz angenommen werden, könne er nicht sagen. Nach derzeit vorliegenden Informationen werden die Projektgruppen „Sonntag“, „Soziale Fragen“ und „Bischof sein heute“(Bischofsernennungen) konkrete Vorschläge einbringen.
Auf den Weg gebracht
Bereits gestartet ist der „konziliare Weg“ der „Plattform Jugend“. Die erste Station fand am 25. und 26. Oktober in Salzburg statt. Rund 100 Jugendliche aus den verschiedensten Organisationen versuchten ihr Bild einer jungen Kirche gemeinsam zu feiern und zu formulieren. Abgeschlossen werden soll der Vorgang bei einem österreichweiten Pfingsttreffen im Jahr 2001, bei dem auch entsprechende Voten an die Bischofskonferenz formuliert werden sollen.In den Diözesen geht die Weiterführung des Dialogs sehr unterschiedlich voran. Eisenstadt hat mit dem „Dialog für Burgenland“ einen umfassenden Gesprächsprozess eingeleitet. In Linz hat der Pastoralrat konkrete Schwerpunkte für die Weiterarbeit gesetzt (Gott: Gotteserfahrung, Gottesrede, Gottessuche; Ständiger Diakonat für Frauen; Pastoral für Wiederverheiratete; Sonntag und Sozialwort). Weitere Voten der Salzburger Versammlung wurden zur konkreten Weiterarbeit den entsprechenden Einrichtungen und Organisationen zugewiesen. In Innsbruck werden die Voten von Salzburg in die Umsetzung der Beschlüsse des Diözesanforums einbezogen. Konkret auf den Weg gebracht wurden u. a. die Errichtung einer Frauenkommission sowie neue Initiativen in der Pastoral für Homosexuelle und Wiederverheiratete. In Feldkirch finden bei den Regionaltreffen der hauptamtlichen Mitarbeiter/innen und Pfarrgemeinderäte Dialoggespräche mit dem Bischof statt. Der Pastoralrat arbeitet an einem Konzept der Weiterführung und Umsetzung der Dialogergebnisse.Für KA-Präsident Friesl sind die Salzburger Dialogerfahrungen ein Kapital, das die Kirche nicht verspielen darf, will sie nicht nachhaltigen Schaden leiden. „Es gibt keine Alternative zum Miteinanderreden, zum Miteinandersuchen, zum gemeinsamen Vorangehen zu neuen Lösungen.“
Dialog auf allen Ebenen
Deshalb tritt die Katholische Aktion dafür ein, dass es in absehbarer Zeit wieder eine Delegiertenversammlung gibt, allerdings mit einer stärkeren Verankerung des Dialogprozesses an der Basis. Friesl ist überzeugt, dass dieses Modell auch auf der Ebene der Pfarren und der Diözesen Fuß fassen muss. „Und wir müssen auch alles tun, dass ein derartiger Dialog mit Rom in Gang kommt. Es kann nicht sein, daß an den Schwellen des Vatikans alle Reformanstöße liegen bleiben.“ Damit der Dialog mit Rom vorankommt, sei es notwendig, so Friesl, dass sich Organisationen und Kirchen aus Ländern mit ähnlichen Problemen stärker vernetzen und ihre Anliegen gemeinsam vorantreiben.