Wie viele Häuser wurden seit der Katastrophe vor einem Jahr in Nicaragua wieder aufgebaut?
Rupilius: Rund 15.000 Häuser konnten wieder errichtet werden. Aber 100.000 Menschen leben noch immer in Notunterkünften – in Häusern umgelegt: weitere 10.000 Behausungen sind notwendig. Dabei liegt es nicht am fehlenden Baumaterial, sondern am fehlenden Baugrund. Die Klärung der Besitzverhältnisse gehört – unabhängig von der Wirbelsturmkatastrophe – zu den drängendsten Problemen in Nicaragua. Darum ist es so schwierig Grundstücke zu finden, auf denen neue Siedlungen entstehen können.
In ganzen Landstrichen wurden die Felder verwüstet. Wie steht es um die Landwirtschaft?
Das Anlegen neuer Äcker dauert seine Zeit und ist vor allem mit der ersten Aussaat nicht immer erfolgreich. Erschwert wird die Situation durch eine unvorstellbare Rattenplage als Folge der Überschwemmung. Die Nager haben sich explosionsartig vermehrt. In Waslala beispielsweise, einer Region mit 42.000 Einwohnern, in der der ÖED und die Katholische Männerbewegung aus Oberösterreich Projekte unterstützen, haben die Ratten 80 Prozent der Ernte vernichtet. Die Bewohner wurden der Tiere einfach nicht mehr Herr. Die Ratten sind sogar in die Hütten eingedrungen. Erst eine großangelegte Aktion beendete die Plage, für die Ernte war es zu spät.
Dr. Hans Peter Rupilius ist ÖED-Mitarbeiter für Gesundheitsprojekte in Nicaragua.