Vor einem Jahr hat Hurrikan „Mitch“ eine Spur der Verwüstung durch Zentralamerika gezogen. Auch das Dorf Apaquique im Norden Nicaraguas wurde völlig zerstört. Doch mit Unterstützung aus Österreich wurde der Ort an sicherer Stelle wieder aufgebaut. Heute ist nur mehr eine Schotterbank zu sehen, wo bis vor einem Jahr das Dörfchen Apaquique lag. Der Rio Coco hatte nach dem Hurrikan „Mitch“ die gesamte Siedlung mit sich gerissen, unvorstellbare 30 Meter ist der Fluss gestiegen. Was die Katastrophe ein wenig mildert: Alle Bewohner des 14 Häuser zählenden Dorfes konnten ihr Leben retten – und dazu etwas Reis, ein paar Kochtöpfe und einige Bretter. Auf einem Plateau hoch über den Fluten bauten sie Notunterkünfte. Vier lange Wochen vegetierten sie dann abgeschnitten von der Außenwelt. Ganz selten drangen Helfer mit Motorbooten zu ihnen vor, um Nahrungsmittel zu bringen. Im Februar 1999 konnte der ÖED Hilfe beim Wiederaufbau zusagen, das Areal der Notunterkünfte war für einen Neuanfang geeignet. Vizebürgermeister Santo Denis Melgara verknüpfte die Unterstützung mit einer Bedingung, die für heftige Diskussionen unter den Männern sorgte: Die Häuser müssten auf die Namen der Frauen in das Grundbuch eingetragen werden. Diese Maßnahme ist eine soziale Absicherung. Damit kann im Fall einer Trennung der Mann seine Frau und Kinder nicht einfach vor die Tür setzen und ihrem Schicksal überlassen, wie das in Nicaragua häufig passiert.Die Männer willigten ein und, wie ihr Einsatz beim Häuserbau bewies, sogar aus Überzeugung. Die Arbeiten wurden generalstabsmäßig organisiert, die Dorfbewohner in vier Gruppen geteilt: zwei Männer-, eine Frauengruppe und selbst die Kinder mussten anpacken. Sie sammelten am Flussufer Steine, die für die Fundamente der Häuser und Latrinen gebraucht wurden. In Säcken schleppten sie ihre schwere Last zu den Bauplätzen. Rund fünfzig Höhenmeter waren jedesmal zu bewältigen. Die kleinen Häuser wurden aus Lehmziegeln errichtet. Und die Leute von Apaquique waren hoch motiviert am Werk. Holz und Wellblech, das bereits für das Dach bereit lagen, sorgten für zusätzlichen Elan. Ende Juli konnte schließlich die „Fertigstellung“ gefeiert werden. Der Wiederaufbau hat eine zusätzliche Lebensqualität für das Dorf gebracht. Zu jedem Haus gehört nun eine gemauerte Latrine. „Wir haben nur dort den Wiederaufbau gefördert, wo auch Latrinen finanziert werden“, erklärt ÖED-Mitarbeiter und Arzt Peter Rupilius: „Es klingt eigenartig: Wir haben immer wieder Probleme Geldgeber für Latrinen zu finden.“Auch nach dem Wiederaufbau bleibt das Leben in Apaquique hart. Dennoch atmen die BewohnerInnen auf: Sie wohnen an einem sicheren Ort.