KIZ-Diskussion in Lambach „Schule heute“ vom 19. Oktober 1999
Ausgabe: 1999/43, Schule, Lambach, Diskussion, Schule heute
27.10.1999
- Ernst Gansinger
An die Schule als Ort des gemeinsamen Lernens und Handelns erinnern sich die Erwachsenen gerne zurück, wenn es dort human und zielorientiert zuging. –
Diese Erfahrung brachte die Elternvertreterin, Elisabeth Puffer, bei der Diskussion ein, die die andere Seite der Schule ebenso kennt: Sie ist selbst auch Lehrerin. Schule ist im öffentlichen Blickfeld und an sie wird viel herangetragen. So leitete auch die Diskussions-Moderatorin Dr. Christine Haiden, Chefredakteurin von „Welt der Frau“, ein: Wenn in der Gesellschaft Defizite festgestellt werden, ist man schnell mit der Diagnose zur Stelle: Das hätte schon die Schule . . .Dr. Riedl warb um eine Atmosphäre der Geduld und Ausdauer: Leben, Lernen, Wachsen brauchen Zeit. Die Schule gibt dazu einen wichtigen Teil des notwendigen Rüstzeugs. Dabei sind Selbstständigkeit und Solidarität zwei Bildungs-Eckpfeiler des Schulwesens.Die Diskussion lieferte ein Potpourri derzeitig aktueller schulpolitischer Themen. Mehrmals wurde der große Wandel angesprochen, dem die Schule unterzogen ist. Dies melden auch frühere Schüler zurück, sagte der Bezirksschulinspektor von Wels-Land, Alfred Wiesinger. Schüler, die nun nach einer längeren Pause als Eltern wieder Kontakt zur Schule bekommen.
Schule heute
Schule heute, heißt: Der/die Schüler/in steht im Mittelpunkt. Das heißt, schon in der Volksschule offener Unterricht, Freiarbeit, Arbeit mit Wochenplan, um besser auf die individuellen Lernmöglichkeiten eingehen zu können, wie Volksschuldirektorin Edeltraud Tlapak sagt. Es heißt auch stärkere Eltern-Einbindung. Die Schule steht laut Präsident Riedl im mehrfachen Spannungsfeld: Einerseits soll Flexibilität und Fremdsprachenkompetenz erworben werden, aber gleichzeitig müsse die Schule auch Beheimatung und Österreichkompetenz vermitteln. Die Schule soll die Ich-Kompetenz stärken und gleichzeitig zur Solidarität fähig machen. Die Schule soll die virtuellen Möglichkeiten vermitteln und gleichzeitig sinnlich erfahrbar bleiben. Zudem stoßen schon Volksschullehrer öfter an die Grenzen ihrer Ausbildung (viele besuchen Zusatzausbildungen). Denn die Zahl schwieriger Schüler/innen nimmt zu. Hier die richtige Hilfe zu finden, ist sehr schwer. „Die Schule alleine ist jedenfalls zu wenig!“, sagt Dir. Tlapak. Was hat die Schule bei aller Ungeduld ihres Umfeldes und bei allen offenen Punkten (leistungsgerechte Entlohnung der Lehrer, verschiedene Mitbestimmungsanliegen, politische Bildung etc.) in den letzten Jahren nicht alles umgesetzt! – Zum Beispiel die Integration in den Pflichtschulen, das Angebot von Schwerpunktschulen oder breiter Wahlfächer-Kataloge (steigert die Attraktivität der Hauptschulen), die Festigung des Polytechnikums und und und.In der Schule ist viel Dynamik. Dass sie dabei die humane Qualität behält und verbessert, wünscht sich nicht nur Schülervertreter Johannes Mayrhofer. Der übrigens auch noch einen anderen Wunsch formuliert: „Politische Bildung“ soll in den Gymnasien Pflichtfach sein. Und die Lehrer sollten klar Position beziehen, dann aber Diskussion zulassen.