Unverständnis und INtoleranz haben eine lange Geschichte
Ausgabe: 1999/44, Ecclesia, Synagoga
03.11.1999
- Elisabeth Leitner
Die Ausstellung „Ecclesia und Synagoga“ hat die spannungsreiche und konfliktgeladene Geschichte von Judentum und Christentum zum Thema.
Ecclesia (griech., Kirche) und Synagoga sind zwei Frauengestalten, die in der sakralen Kunst die Auseinandersetzung zwischen Kirche und Judentum besonders einprägsam darstellen. Vom frühen Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert reicht die Palette der Kunstwerke, die die lange Geschichte von Unverständnis, Intoleranz, Entrechtung und Ausgrenzung der Christen gegenüber den Juden demonstrieren. Die Attribute der Synagoga und Ecclesia zeigen jeweils die Haltung, die Auftraggeber und Künstler zum Judentum einnahmen. Verwendete Symbole beziehen sich vor allem auf alttestamentliche Bibeltexte wie etwa die Klagelieder (z.B. Klgl 5,16-17). Galt dieses Klagelied den Juden als Selbstkritik, so wurde es von den Christen als Selbstbeschreibung aufgefasst.
Neben der fallenden Krone als Motiv für die Entmachtung des jüdischen Volkes wurde auch die Verdüsterung der Augen als Zeichen der Verstockung und Verhärtung der Juden betrachtet. Diese Ausstellung zeigt die Geschichte einer Ausgrenzung – und die letztendlich tödliche Wirkung antijüdischer Sprach- und Bildsymbole.Anlass für die Zusammenstellung dieser Ausstellung war der Synodalbeschluss „Zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden“ der Evangelischen Kirche im Rheinland (1980). In Oberösterreich wurde die Ausstellung von der Kath. Aktion der Diözese Linz organisiert. Die Ausstellung möchte Irrwege deutlich machen und zu einem friedlichen und toleranten Miteinander ermutigen. Schade nur, dass die Räumlichkeiten der Ausstellung nicht stärker zum Verweilen einladen.
Bis 21. November im LKZ Ursulinenhof, Landstr. 31, 4020 Linz. Begleitprogramm
Zur Ausstellung wurde folgendes Begleitprogramm erstellt:
Vorträge: „Gott am Galgen?“ Die Shoa als Herausforderung des Glaubens, Referent: a.o. Univ.-Prof.Dr. Gerhard Bodendorfer, Salzburg Mittwoch, 10. November 1999, 19.30 Uhr
„... nicht du trägst die Wurzel, die Wurzel trägt dich“ (Röm 11, 18) Die jüdischen Wurzeln des Christentums, Referent: Univ.Prof. Dr.Johannes Marböck, GrazMittwoch, 17. November 1999, 19.30 Uhr, beide Vorträge finden im Linzer Ursulinenhof statt.
Buchausstellung: Ecclesia und Synagoga – Darstellungen in historischen und aktuellen Beständen der Bibliothek.Kath.-Theol. Hochschule, Bethlehemstraße 20, 4020 Linz
Ausstellung: Arbeiten von Studenten der Uni für angewandte Kunst, Wien, Meisterklassen für Malerei und Bildhauerei, zum Thema FremdBis 18. November, KHG, Mengerstraße 23, 4040 Linz