Am 21. November 1944 starb Camilla Estermann aus Linz
Ausgabe: 1999/45, Estermann, Linz, Hinrichtung
09.11.1999
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
In Kürze jährt sich der Todestag eines fast vergessenen NS-Opfers zum 55. Mal.Camilla Estermann stammte aus einem Fleischhauerbetrieb in der Linzer Herrenstraße. Nach der Schulzeit und einer Ausbildung zur Näherin trat die religiöse Frau 1907 als 26-jährige im Redemptoristinnenkloster St. Anna in Ried/Innkreis ein. Sie war als Näherin, Organistin und Künstlerin tätig. Bis heute sind im Kloster St. Anna Bilder und Schnitzereien von ihr erhalten. Nach neun Jahren im Kloster bat sie um Entbindung von den Ordensgelübden und zog in ihre Heimatstadt Linz zurück, wo sie mit ihrer Schwester im Haus Klammstraße 7 wohnte. Sie leistete Hilfsdienste, vor allem im Kloster der Karmelitinnen. Als sie 1939 in ihre frühere Ordensgemeinschaft zurückkehren wollte, stimmte das Bischöfliche Ordinariat dagegen. Ihr Weg wurde nun von den NS-Herrschern bestimmt. Das Arbeitsamt verpflichtete Camilla Estermann als Näherein zu „kriegswichtigen Arbeiten“ bei einer Linzer Bekleidungsfirma. Mit ihr, so beschrieb es A. Wanner in seiner Diplomarbeit, waren viele Französinnen als Zwangarbeiterinnen tätig. Camilla Estermann setzte sich für diese Frauen ein und steckte ihnen verbotenerweise Toilettartikel, Nahrungsmittel, Medikamente … zu. Deshalb und laut Anklage des Volksgerichtshofes wegen Verbreitung von „als Weissagung getarnten Schmähschriften gegen den Führer“ wurde sie im September 1944 von der Gestapo verhaftet. Am 14. November 1944 wurde Camilla Estermann von Linz nach Wien gebracht, wo sie am 21. November wegen Wehrkraftzersetzung zum Tod verurteilt wurde. Das Urteil wurde am selben Tag im Keller des Wiener Landesgerichtes vollstreckt.