BRIEF_KASTEN
Huber: Mir wird noch einmal deutlich, dass dem, der das Talent vergraben hat, auch dieses eine noch genommen wird. Es wird dem gegeben, der die meisten Talente hat. Damit stellt Jesus den Kontrast noch einmal deutlich heraus: genau darauf, auf dieses eine Talent, käme es an.Ich habe einmal gesehen, wie eine Jugendgruppe dieses Gleichnis gespielt hat. Auch die einzelnen Talente wurden von Personen gespielt. Das vergrabene Talent ist mir in Erinnerung geblieben. Das war einer, der sich eingegraben hat. Er war gleichsam so eingeschränkt in seinen Lebensmöglichkeiten, dass er gar keine Luft mehr zum Atmen hatte. Dieses Bild hat sich mir eingeprägt. Ich glaube, dass dieses Gleichnis ein Ruf mitten ins Leben hinein ist. Mir fällt auch auf, dass in der Geschichte niemand überfordert wird. Jeder und jede bekommt nach seinen Fähigkeiten. Leis-tungsdruck wird nicht ausgeübt, so als müßte jemand mit einem Talent gleich das Zehnfache erwirtschaften.
Schröder: Das finde ich ganz wichtig. Es kommt nicht darauf an, wie viele Gaben jemand bekommen oder nicht bekommen hat. Wer fünf Talente erhalten hat, lebt diese fünf, wer zwei erhalten hat, lebt diese beiden. Nur der mit dem einen Talent, der lebt dieses eine nicht. Es kommt in diesem Zusammenhang nicht darauf an, dass es nur eines ist, sondern dass es verbuddelt ist und nicht gelebt wird.Ich glaube, was den Diener am Leben hindert, ist seine Angst, Fehler zu machen. Das Gleichnis ist in gewisser Weise eine Geschichte, die Mut machen will, ruhig auch Fehler zu riskieren. Denn die Angst, etwas falsch zu machen, hindert den Menschen am Leben.
Von welchen Talenten ist denn im Gleichnis eigentlich die Rede? Sind das ganz außergewöhnliche Geistesgaben?
Huber: Das Leben spielt sich selten in diesen hehren Höhen ab, sondern ist eine alltägliche Geschichte. Wenn jemand zum Beispiel die Gabe des Humors hat und andere zum Lachen bringen kann, ist das schon sehr viel wert.
Schröder: Alles, was das Leben bunt, reich und schön macht, zählt zu diesen Talenten. Ich kann die Talente nicht einteilen in die, die für das Reich Gottes gut sind, und andere, die es nicht sind.
Pantic: Man kann seine Talente natürlich nach zwei Seiten hin einsetzen. Ich kann zum Beispiel mit meiner Stimme singen und Gott verherrlichen, ich kann damit aber auch Befehle erteilen, um Schreckliches zu tun. Ich denke, der Knecht mit dem einen Talent hat seine Talente nicht genutzt, sondern ausgenutzt. Er hat auch etwas getan mit dem Talent: er hat es vergraben. Wir sollten aber Vertrauen haben in unseren Herrn und dann die Talente, die uns geschenkt sind, vermehren. Der Diener hat sein Talent schlecht genutzt, weil ihm das Grundvertrauen gefehlt hat. Der Mensch sollte aber keine Angst haben, denn die vollkommene Liebe, die Gott ist, vertreibt die Angst.
Schröder: Ohne Angst zu sein ist natürlich ein sehr hoher Anspruch. Zum Menschsein gehört die Angst dazu. Diese Geschichte zeigt, dass der Mann genau das, was er sich sichern will, indem er es vergräbt, nicht sichern kann. Der Mensch ist also immer angewiesen – sowohl auf Gott als auch auf andere Menschen.
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