Sie kamen als Gastarbeiter, das Land brauchte sie. Sie wollen als Menschen hier leben – mit Rechten und Pflichen – das Land enthält sie ihnen vielfach vor! Sehr provokant stieg Landesrat Josef Ackerl in seiner Begrüßung in die zweitägige Tagung „Mittendrin und trotzdem draußen“ ein, bei der es um das Leben von ausländischen Bürgern in Österreich ging. Ackerl meinte, die Diskussion unter Gleichgesinnten trete am Stand, man müsse sich dorthin begeben, wo einem eisiger Wind entgegenweht. – In der Tat, es ist keine Zeit, in der es Ausländer bei uns leicht haben, auch wenn sie schon lange hier leben.Der Linzer Friedensforscher Dr. Reiner Steinweg, Experte in einem der sechs Workshops, meinte auch nachdenklich die Aufforderung von Ackerl aufgreifend: Wir sollten zu einer Selbstverpflichtung kommen und uns alle zwei/drei Monate in den verschiedenen Sprengeln von Linz, in denen Ausländerfeindlichkeit verbreitet ist, einer Diskussion stellen.
Der Verein zur Betreuung der Ausländer/innen in OÖ veranstaltete gemeinsam mit dem Land OÖ (Landesrat Ackerl), der Kammer für Arbeiter und Angestellte in OÖ, dem oö. Gewerkschaftsbund, dem Ausländerintegrationsbeirat Linz und dem Soziologie-Institut der Uni Linz am 4./5. November in Linz dieses Symposion, das sich mit der Diskriminierung von Ausländern in unserem Land befasste. Der Befund fiel ernüchternd aus, Handlungsbedarf ist gegeben:
Zuwanderer sollten einen weniger erschwerten Zugang zur österreichischen Staatsbürgerschaft finden. Die Sozialgesetze sollten die ausländischen Mitbewohner nicht diskriminieren. Das von der EU türkischen Arbeitnehmern zugesprochene passive Wahlrecht bei der AK-Wahl sollte nicht mehr länger ungesetzlich torpediert werden (z. B. Vorarlberger AK-Wahl). Von einem Anti-Diskriminierungsgesetz könnte ein demokratischer und die Ausländerfeindlichkeit Einhalt gebietender Impuls ausgehen. Österreich sollte ein solches Gesetz, das in Europa teilweise Vorbilder kennt, angehen.
750.000 Ausländer/innen leben in Österreich. Wir müssen akzeptieren, dass Österreich ein Einwanderungsland geworden ist. Und dass Österreich die Zuwanderung braucht, wie Univ.-Prof. Dr. Rainer Münz referierte, ein Österreicher, der selbst Zuwanderer in Berlin ist. Denn der Geburtenschwund lässt eine offene Ausländerpolitik angeraten sein.
FAKTEN
Wohnkosten. Im Durchschnitt zahlen nach Österreich zugewanderte Menschen bei geringer Wohnqualität mehr für die Wohnungsmiete als die Österreicher/innen.
Berufliche Situation. Die Einstufung der zugewanderten Menschen im oö. Arbeitsmarkt liegt großteils unter ihrem Ausbildungsniveau. Überqualifikation führt zu Lohndumping bei unqualifizierten Arbeitsplätzen und zu Konkurrenz mit unterqualifizierten Österreichern.
Sprachkenntnisse. Je jünger Zuwanderer nach Österreich kommen, desto leichter fällt das Lernen und Sprechen der deutschen Sprache.
Österreichische Staatsbürgerschaft. Ein Drittel der Zuwanderer möchte auf jeden Fall die österreichische Staatsbürgerschaft erlangen, 15% sind grundsätzlich interessiert.
Betreuungseinrichtungen. Den höchsten Bekanntheitsgrad der Betreuungseinrichtungen unter Ausländern haben Caritas und Volkshilfe.